PRO & Contra : Sollen fliegende Händler in Parks verkaufen dürfen?

Ulrich Zawatka-Gerlach,Werner van Bebber

PRO

Im schönen, gepflegten Botanischen Garten stehen seit Menschengedenken in jedem Frühjahr und Sommer zwei mobile Eiswagen, die auch spaziergeh-müden Kindern wieder Beine machen. Ein kleiner Service zwischen Gräsern und Blumen, abseits der Cafés und Restaurants. Ein Eis, ein Würstchen, eine Cola oder ein Bier. Ab und zu braucht das der Mensch, wenn er unterwegs ist und keine Lust hat, irgendwo einzukehren. Dass fliegende Händler die Vermüllung der Berliner Parks befördern, ist doch nur eine Schutzbehauptung. Umweltschweinchen werfen auch die Sachen in die schöne Gegend, die sie von zuhause im Rucksack mitgebracht haben.

Der kleine Handel im Park verstößt möglicherweise gegen den urdeutschen Ordnungssinn, ist aber weltweit üblich und erfolgreich, weil er einen Bedarf erfüllt. Der Umfang des Handels lässt sich relativ unbürokratisch behördlich regeln. Außerdem wird in diesem Fall der freie Markt tatsächlich funktionieren und dafür sorgen, dass sich die Bauchladenträger nicht gegenseitig auf die Füße treten. Hand aufs Herz: es gibt sie doch jetzt schon und seit langem an vielen Ecken der Stadt. Da wird alles angeboten – vom Getränk bis zur DDR-Devotionalie. Das gehört zur Großstadt. Und weil zu Berlin auch die vielen Parks gehören, gehört es auch dorthin. Ulrich Zawatka-Gerlach

CONTRA

Nichts gegen Bratwürste oder gar gegen Bier. Aber Berliner Parks sollten dienstleistungsmäßig nicht für Leute aufgerüstet werden, die überall essen und trinken müssen. Drei Gründe sprechen gegen den Eis-Cola- Wurst-Lieferservice auf der Liegewiese. Erstens: Wer mit Kindern unterwegs ist, weiß es zu schätzen, wenn sich die Limo- oder Bretzelfrage mal nicht stellt, weil das Zeug nicht verfügbar ist. Eltern kümmern sich ohnehin darum, dass die Kinder zu essen und zu trinken bekommen. Parks sind – noch – eine konsumfreie Zone. Zweitens weiß jeder, der mal im nah- oder fernöstlichen Raum Ferien gemacht hat, dass Konsumangebote mit vielerlei Angequatscht- und Zugetextetwerden einher gehen. Mag sein, dass der Bratwurstmann am Samstagnachmittag zu viel zu tun hat, um potenzielle Kunden einzeln anzusprechen. Doch den Rest der Woche über wird er das verkaufsfördernde Gespräch suchen und nerven. Was wird überhaupt aus dem Müll, den er mit-verursacht? Wahrscheinlich sollen sich Stadtreiniger und Grünflächenfachkräfte darum so gründlich und effektiv kümmern wie um den Normaldreck. Drittens: Wo Genehmigungen sind, werden in Berlin Behördenabteilungen, Genehmigungen, Kontrollen nötig: Verwaltet werden muss! Aber nicht die Ruhe im Park. Werner van Bebber

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