Pro & Contra : Sollen Kopfhörer im Straßenverkehr verboten werden?

Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme gegen das autonome Freizeitverhalten der Bundesbürger: Die Debatte über das Verbot von Kopfhörern für alle Verkehrsteilnehmer erhitzt die Gemüter. Wir haben Pro und Contra zusammenfasst.

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Pro:

Schon vergessen? „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ So steht es als Grundregel in Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme – das müsste doch jeder verstehen. Weiter heißt es: „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Damit ist eigentlich alles gesagt. Damit wäre auch ein Kopfhörerverbot zu begründen.

Natürlich hat jeder das Recht, sich – womit auch immer – zuzudröhnen. Menschen sind unterschiedlich. Der eine freut sich, wenn er beim Joggen durch den Wald die Vögel zwitschern oder das Laub rascheln hört. Der andere findet das langweilig und hört lieber Musik oder was gerade als solche bezeichnet wird. Das ist in Ordnung, weil es im Wald keinen Menschen stört. Wer sich aber – eines seiner wichtigsten Sinne beraubt – in den Straßenverkehr begibt, gefährdet nicht nur sich, sondern andere. Der Radfahrer den Fußgänger. Aber auch der Fußgänger den Rad- oder Autofahrer, den er wegen seines unaufmerksamen Verhaltens vielleicht zu einer Vollbremsung zwingt, die dann einen Unfall auslöst. Deshalb darf, nein: muss die Freiheit des einen an der körperlichen Unversehrtheit des anderen enden. Wer nicht hören will, muss fühlen. (Sandra Dassler)

Contra:

Ich glaube, ich höre nicht richtig! Jetzt soll der Gesetzgeber auch noch ins Freizeitverhalten seiner Bundesbürger eingreifen? Man will es uns verbieten, auf dem Fahrrad-Weg zur Arbeit Klassikradio zu hören oder beim Spazierengehen ein Hörspiel auf CD über Kopfhörer. Steigende Unfallzahlen im Straßenverkehr sollen als Argumentationshilfe taugen. Verkehrte Welt, schaut man nur mal in die Polizeistatistik. Nicht ignorante Passanten rammen Autofahrer oder Radfahrer mit Punkpower im Ohr gefährden Lkw-Fahrer. Es ist genau anders herum: Weil Autofahrer nicht aufpassen, überfahren sie Passanten trotz des Grünlichts auf dem Fußgängerüberweg. Das war im vergangenen Jahr vielerorts auf Berlins Straßen zu beklagen. Kraftfahrer dürfen am Steuer schon jetzt keine Kopfhörer mit dröhnend lauter Musik tragen, weil das die Aufmerksamkeit einschränkt. Das lernt man schon in der Fahrschule. Es müssen also keine neuen Regelungen erlassen werden, denn es gibt sie schon.

Dass nun Passanten und Radfahrer ihres Hörspaßes, ihres entspannenden Mentaltrainings beraubt werden sollen, ist nicht einzusehen. Es soll ja auch Menschen geben, die in Gedanken versunken, in ein Buch vertieft, überhaupt geistig abwesend durch die Straßen wandeln. Fehlt nur noch, dass denen jetzt nicht nur der MP3-Player abgedreht, sondern der Gang auf öffentlichem Straßenland verboten wird. (Annette Kögel)

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