PRO & CONTRA : Sollen Landespolitiker nach Peking fliegen?

Die CDU-geführte Oppostion verlangt, dass Berlins SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit den Olympischen Spielen in China fern bleibt. Doch die rot-rote Mehrheit ist dagegen - und will die Tibet-Politik des Landes vor Ort ansprechen. Wie protestiert man gegen Peking, wenn man Berliner Politiker ist?

Pro



Werben für die Sportstadt Berlin – das muss auch in China erlaubt sein, wenn dort die internationale Gemeinschaft während der Olympischen Spiele versammelt ist. Das bietet doch die Möglichkeit zu zeigen, was den Unterschied ausmacht: Einerseits das diktatorische China, das nicht nur in Tibet Menschenrechte verletzt und dessen Führung den Glanz der Olympischen Spiele nutzen will, dies zu übertünchen. Dagegen Berlin: Ein liberaler weltoffener Gastgeber für die Sportler der Welt, 2009 als Ausrichter der Leichtathletik-WM. Dies massiv und offensiv zu bewerben, ist Pflicht des Regierenden Bürgermeisters. Peking ist dafür gewiss eine schwierige Plattform. Aber es wird ja niemand allen Ernstes behaupten, Wowereit werde die Gelegenheit nutzen, um sich vor den chinesischen Machthabern zu verbeugen. Wer dennoch glaubt, dass die Werbereise nach Peking politisch-moralisch unanständig ist, der muss auch konsequent sein und den Boykott der Olympischen Spiele fordern. Und er müsste dafür sein, die 20 Jahre alte Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking aufzugeben. Sich abschotten und dabei ein guter Mensch sein – das ist ziemlich einfach. Wer aber Freiheit und Öffnung zur Welt durch möglichst viele menschliche, wirtschaftliche, politische Kontakte befördern will, der muss auch schwierige Reisen akzeptieren. Ulrich Zawatka-Gerlach

Contra

Klaus Wowereit wäre, wenn er bei seinen Reiseplänen bleibt, wohl der einzige Chef einer deutschen Landesregierung, den es zu den Olympischen Spielen in Peking zieht. Andere Landesregierungen lassen sich, wenn überhaupt, durch ihre Sportminister oder Staatssekretäre vertreten. In der Senatskanzlei verweisen sie auf die Städtepartnerschaft Berlin-Peking und auf die Polit-Symbolik. Politsymbolisch soll es wichtig sein, dass Berlin in Gestalt seines Regierenden Bürgermeisters in Peking präsent ist. Denn das nächste große Sportereignis nach den Spielen findet in Berlin statt – die Leichtathletik-WM. Schlüssig ist das nicht. Politsymbolik funktioniert aber nur, wenn sie klar und simpel ist. Auf klare, simple und am Zynismus entlang schrammende Weise macht der deutsche Oberolympionike Thomas Bach politsymbolisch etwas her, der höchstselbst mit der Fackel herumlaufen will. Wowereit würde, wenn er reist, in eine nicht ganz ungefährliche Nähe zu solchen Zynikern geraten, die Sportler auf ihre sportlichen Leistungen reduzieren und die Volksrepublik China auf ihre Bedeutung als Geschäftspartner des Internationalen Olympischen Komitees. So denkt nicht mal mehr dessen Vorsitzender Jacques Rogge. Wenn Wowereit Städtepartnerschaftliches in Peking klären will, soll er reisen – aber nicht zwischen dem 8. und dem 24. August. Werner van Bebber

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