Pro & Contra : Sollen Laubenpieper auf das Tempelhofer Feld ziehen dürfen?

Kleingärtner fordern Platz für sich auf dem Tempelhofer Flugfeld, bei Bausenatorin Junge-Reyer stößt der Vorschlag auf offene Ohren. Doch nicht jeder ist dafür: Ein Pro & Contra.

Annette Kögel

Das mit dem Tempelhofer Flugfeld war keine Liebe auf den ersten Blick. Bei den ersten Begehungen der Hallen und der Rollbahn hatten selbst Freizeitaktivisten das Gefühl, das geschichtsträchtige Gebiet werde durch die profane Nutzung abgewertet. Mittlerweile wissen aber auch anfängliche Zweifler das Gelände zu schätzen. Gerade weil es so rau und wild und ursprünglich ist mit seinen großflächigen, geschützten Brutwiesen. Auf dem Flugfeld mit den vereinzelten Baumgruppen fühlten sich einige im Hitzesommer 2010 gar an die afrikanische Steppe erinnert. So ist bei vielen Besuchern jetzt der Wunsch entstanden, das weite, meist windumtoste Gelände solle sozusagen als Frischluftventilator für die Metropole genauso erhalten bleiben wie es gerade ist. Macht den Tempelhofer Park zu Berlins Hyde Park! Das wird wohl nichts als eine Illusion bleiben, deshalb müssen Nutzungen her, die den Charakter des Areals zumindest bewahren. Die Vorstellung von standardisierten Wohn-Gewerbe-Bauplänen ist ja nur noch schwer zu ertragen. Kleingärten passen viel besser aufs weite Grün. Schon jetzt ziehen sich entlang dem Tempelhofer Park Parzellen. Weil Laubenpieper überall in der Stadt weichen müssen, sollte der Senat ihnen jetzt auf dem Flugfeld Asyl gewähren. Allerdings nur, wenn sie ihre Wege für alle öffnen und man dann in Zukunft durchs Parzellengrün schlendern und skaten kann. Annette Kögel

Der deutsche Kleingarten ist zweifellos eine segensreiche Einrichtung, deren Wurzeln weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Eine Traditionsveranstaltung, die bis heute vielen Zwecken dient: der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse, der Bekämpfung von Wohnungsmangel, der sozialen Verständigung, aber vor allem der Naherholung für jene Großstädter und deren Familien, die nicht in Reihenhaussiedlungen mit eigenem Gärtchen leben. So weit, so gut.

In West-Berliner Zeiten ging es auch gar nicht anders, als dass die Laubenkolonien innerhalb der ummauerten Stadt gediehen, also zum innerstädtischen Ensemble wurden. Doch das ist vorbei, und Berlin ist heute eine überaus grüne Stadt mit noch grünerem Umland, wo jeder sein Plätzchen finden kann. Die City taugt auf Dauer nicht als kleinteilig umzäunte und mit putzigen Zwergen besetzte Gartenfläche. Und es ist auf keinen Fall einzusehen, dass die von den Berlinern neu eroberte Klima-Oase, das Tempelhofer Feld, zugunsten weniger hundert Laubenpieper, die besonders preiswert und in bester Lage die Wochenenden hinter schützender Hecke genießen wollen, parzelliert wird. Das gilt ab 2012 auch für den Flughafen Tegel.

Nichts gegen Lauben am Stadtrand oder, soweit möglich, entlang von Uferrändern. Aber sie gehören nicht in große innerstädtische Park- und Erholungsgebiete. Ulrich Zawatka-Gerlach

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