Pro & Contra : Sollen Schulen und Kitas bestreikt werden?

Pro



Der Streik als Grundrecht – zur Durchsetzung tariflich regelbarer Ziele – ist in Deutschland so wenig umstritten, dass sich das Bundesverfassungsgericht bis heute nicht ernsthaft damit befassen musste. Wenn jetzt die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in Berlin auch in Kitas und Schulen für ein paar Stunden die Arbeit verweigern, ist das für die Betroffenen nicht schön. Aber es ist ein legales Mittel des Arbeitskampfes. Aber ist ein solcher Warnstreik auch legitim? Angesichts der materiellen Opfer, die Arbeiter und Angestellte (und die nicht streikberechtigten Beamten) seit 1993 zugunsten der Sanierung des Landeshaushalts auf sich genommen haben, lautet die Antwort: Ja. Der Solidarpakt in Berlin war ein bis dahin beispielloses Modell zur Einsparung staatlicher Personalkosten. Ein Modell, das von den anderen Bundesländern gern übernommen wurde. Aber diese Länder, selbst die bettelarmen Bremer und Saarländer, gönnen ihren Bediensteten spätestens ab 2008 nach verordneter Rosskur eine kleine Gehaltsaufbesserung. Nur Berlin bleibt stur – da kann man es auch den Lehrern und Erziehern nicht verdenken, dass sie auf diese Ungerechtigkeit arbeitskämpfend reagieren. Die Eltern der betroffenen Kinder sollten nicht schimpfen, sondern das Anliegen der Beschäftigten unterstützen. Ulrich Zawatka-Gerlach

Contra

Lassen wir das Argument beiseite, dass Berlin eine arme Stadt ist. Lassen wir das Argument beiseite, dass der Beschäftigungspakt für den öffentlichen Dienst erst 2009 ausläuft und nie vorgesehen war, vorfristig über das Geld zu reden. Lassen wir das Argument beiseite, dass im öffentlichen Dienst anders als in der freien Wirtschaft keiner seinen Job verliert, wenn das Geld knapp ist. Sehen wir diskret darüber hinweg, dass der Stellenpool nicht gerade die supererfolgreiche Methode ist, um überzählige Kräfte im öffentlichen Dienst sinnvoll zu beschäftigen. Schweigen wir darüber, dass unendlich viele Arbeitnehmer, die keine Überstunden aufschreiben, seit Jahren jedes Jahr ein wenig weniger verdienen. Alles wird nämlich teuer, nur Arbeit nicht. Lassen wir das alles außen vor, obwohl das alles gegen einen Gehaltsaufschlag für den öffentlichen Dienst spricht, und fragen, durchaus ein wenig boshaft: Wenn es so entbehrungsreich ist, im öffentlichen Dienst zu arbeiten, wenn sich so viel Bitterkeit aufgestaut hat, dass nun Warnstreiks nötig sind – warum kommen kaum Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes auf die Idee, sich in Anbetracht ihrer elenden Verhältnisse einen Job in der Wirtschaft zu suchen? Genau: Weil Sicherheit und geregelte Arbeitszeiten viel wert sind – jedes Jahr mehr. Werner van Bebber

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben