PRO & Contra : Spielhallen im Bahnhof Zoo?

André Görke

PRO:



Spielhallen im Bahnhof Zoo? Na klar, ein schicker Designerladen oder ein Juwelier wären schöner, vielleicht auch ein Feinkostgeschäft oder eine gemütliche Kneipe, so ganz ohne fiesen Bahnhofs-Charme. Volle Zustimmung!

Aber komischerweise will keiner aus diesen Branchen die Räume mieten, die sich am verwaisten, stillen Ende des Bahnhofs befinden. Dort gibt es nichts – nur 732 Schließfächer, drei Kameras und einen Getränkeautomaten. Nein, dies ist keine schöne Ecke für ein tolles Geschäft, aber sie würde durch Spielhallen auch nicht unheimlicher werden. Vielleicht tun die dieser Ecke sogar gut. Sie werden sie beleben, bringen Mieteinnahmen. Zumal es ja nicht um ein Bordell oder eine Nazi-Parteizentrale geht, sondern um eine – legale – Glücksspielbude, die jeder genauso ignorieren darf wie die Lotto-Tippstelle im Kiosk oder an der Tankstelle.

Doch der Hang zur Hysterie ist groß, gerade am Bahnhof Zoo. Aber seien wir ehrlich: Welcher Glücksspieljunkie will schon was Schwerkriminelles machen, wenn über seinem Scheitel die Sicherheitskamera kreist und das Revier der Bundespolizei nebenan sitzt. Das ist viel zu öffentlich, zu normal. Die Spielhallen sind so wie all die Imbissbuden im Bahnhof Zoo: Nicht nach jedermanns Geschmack, aber auch nicht die Hölle. Die befindet sich an viel dunkleren Ecken der Stadt. Bleiben wir gelassen. André Görke

CONTRA:

Viva Las Vegas! kann man zu der grauenhaften Idee nur sagen, den Bahnhof Zoo mit Spielhöllen zu bestücken. Elvis Presley sang „Viva Las Vegas“, und es klang seltsamerweise so, als fände er die Stadt toll. Der Wirklichkeit kam die Ami- Punk-Truppe „Dead Kennedys“ näher mit einer hässlich-ironischen Pseudo- Hymne auf eine hässliche, kaputte, traurige Stadt. Dass die Bahn nun entschlossen scheint, dem Bahnhof Zoo den Rest zu geben, spricht nicht für das Unternehmen. Offenbar geht Profit allem anderen vor, den Kundeninteressen sowieso.

Warum der Bahnhof vom ICE-Netz getrennt wurde, können nur Fahrplanfetischisten erklären. Nun soll er geschäftlich so ausgestattet werden, dass seine Umgebung den Begriff Kriminalitätsbrennpunkt nie mehr los wird. Anstatt darauf zu achten, dass dieses Gebäude mit seiner speziellen West-Berliner Geschichte nicht weiter herunterkommt, passiert das Gegenteil. Automatenkasinos ziehen eine ganz besonders triste Kundschaft an – Leute, die nichts anderes mit sich anzufangen wissen, als Geld in Geldschlitze zu werfen und dann einem Automaten beim Blinken mit Licht zuzusehen. Weil das nicht mal Automatenspielfreaks wirklich ausfüllt, kommen manche auf den Gedanken, ihren Alltag durch ein paar Gesetzesverstöße etwas spannender zu gestalten. Der Bahnhof Zoo war ganz unten – dort soll er nach Auffassung des Immobilienbesitzers Bahn wieder hin. Werner van Bebber

Was meinen Sie? Rufen Sie heute zwischen 8 und 23 Uhr an. Wenn Sie für Spielhallen im Bahnhof Zoo sind, wählen Sie 0137-20 33 33 - 1. Sind Sie dagegen, wählen Sie 0137-20 33 33 - 2 (14 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir Dienstag. Im Internet unter: www.tagesspiegel.de/umfragen.

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