Pro & Contra : Straße des 17. Juni dauerhaft sperren?

Die Grünen und verschiedene Umweltverbände wollen die Straße des 17. Juni dauerhaft sperren. Warum ist das sinnvoll? Was spricht dagegen? Hier einige Argumente aus unserer Redaktion. Diskutieren Sie mit!

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Die Autobahn gehörte am vergangenen Sonntag, dem 5. Juni 2011, den Radfahrern. Für die traditionelle Sternfahrt - eine Fahrraddemo - wurde der Avus und der südliche Stadtring gesperrt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Gregor Sommer
06.06.2011 11:36Die Autobahn gehörte am vergangenen Sonntag, dem 5. Juni 2011, den Radfahrern. Für die traditionelle Sternfahrt - eine Fahrraddemo...

PRO
Seit vielen Jahren ist die Straße des 17. Juni mehr ein Veranstaltungsort als eine Hauptverkehrsader. Marathon und Radrennen, Kirchentag und Fanmeile, Silvester-Party und Christopher Street Day, früher die Loveparade: Das sind nur die prominenten Anlässe, um die Magistrale regelmäßig zu sperren. Auch dutzende kleine Events nehmen die Straße in Anspruch. Sogar der ADAC gab zu, dass sich die Straße des 17. Juni als hauptstädtischer Veranstaltungsort bewährt habe. Berliner und Touristen genießen es, mitten im Grün des Großen Tiergartens zu flanieren und sich zu amüsieren – mit Blick aufs Brandenburger Tor im Osten und auf die Siegessäule im Westen. Aber auch ungesperrt geht es auf dem vielspurigen Stück Asphalt oft gemütlich zu. Als Parkplatz ist die Straße willkommen, aber als Durchgangsstraße offenbar gar nicht so wichtig. Das liegt wohl daran, dass es sich (streng genommen) um eine Sackgasse handelt. Wer in die Ost-City will, muss das Brandenburger Tor recht umständlich umfahren. Außerdem gibt es bewährte Ausweichstrecken: John-Foster-Dulles-Allee und Alt-Moabit im Norden, Tiergartenstraße und Lützowufer/Schöneberger Ufer im Süden. Die Straße des 17. Juni, die den schönen Tiergarten unökologisch durchschneidet, könnte mit einer dauerhaften Sperrung zum Paradies für Radler, Skater und Fußgänger werden. Ulrich Zawatka-Gerlach

CONTRA
Wer kennt dieses leidige Berliner Phänomen nicht: Jeden Tag eine neue Baustelle in der Stadt. Allein 46 Baustellen gibt es in der Innenstadt, hinzu kommen der Baubeginn der U 5, die Sperrung der Wilhelmstraße vor der Britischen Botschaft, und irgendwann soll auch noch das Humboldt-Forum gebaut werden. Das provoziert schon jetzt genug Staus und stockenden Verkehr – mit steigender Tendenz. Staus produzieren nicht nur genervte Autofahrer und Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs, sondern auch Umweltprobleme wie Lärm und Abgase. Es wäre unverantwortlich, die Straße des 17. Juni als wichtige Ost-West-Achse jetzt auch zu sperren, zumal es Bauarbeiten auf der Invalidenstraße und Leipziger Straße gibt. Radfahrer sind übrigens fein raus: Die haben genug Ausweichrouten durch den Tiergarten. Dass die Straße des 17. Juni mittlerweile zur Vergnügungsmeile umfunktioniert wird, ist aus stadtplanerischer Sicht absolut nicht nachvollziehbar: Wir haben in Berlin genug riesige Freiflächen wie das Tempelhofer Feld, die zentral gelegen und gut erreichbar sind. Für das Amüsement braucht es nicht die Kulisse des Brandenburger Tors. Auch ein Kompromiss, nur einen Abschnitt des 17. Juni zu sperren, ist abzulehnen. Mit der bekannten Berliner Salami-Taktik kommt dann die Vollsperrung und der ultimative Mega-Stau in der Innenstadt. Sabine Beikler

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