Pro & Contra : Welche Kuppel passt zum Schloss?

Wie der künftige Aufsatz auf dem Stadtschloss aussieht, ist noch offen. Historisch oder modern – das ist die Frage. Entschieden wird nach dem Architektenwettbewerb. Was meinen unsere Leser?

Christian van Lessen
Berliner Stadtschloss mit Kuppel
Ein Modell des Stadtschlosses - mit historischer Kuppel. -Foto: dpa

Wie war das noch mit der Reichstagskuppel? Architekt Norman Foster hatte beim Umbau des Parlamentsgebäudes 1995 zunächst nicht geplant, ihm seine einstige Kuppel zurückzugeben. Er entwarf ein gläsernes flaches „Schwebedach“, das viele Betrachter an eine Tankstelle erinnerte. Dieser Entwurf fiel vor allem bei eher konservativen Bundestagsabgeordneten durch. Sie wollten lieber die alte Reichstagskuppel zurück. Forster baute eine Kuppel, aber hochmodern. „Der geniale Coup könnte sich beim Humboldt-Forum wiederholen“, meint Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). Wenn nicht, könnte auch die historische Kuppel auf den Schlossneubau gesetzt werden. „Ich bin da ganz offen.“

Die Kuppel sei jedenfalls eine große Herausforderung für die am Wettbewerb beteiligten Architekten, und die guten Erfahrungen mit dem Reichstag ließen ihn, Thierse, „entspannt“ die weitere Entwicklung abwarten. Ob so ein moderner Schlossaufsatz auch zum öffentlichen Wandeln benutzt werden könnte oder sollte, da habe er allerdings seine Zweifel. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) meint: „Wenn schon eine historische Fassade, dann sollte auch die Kuppel dazu passen.“ Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist dagegen fest entschlossen, neutral zu sein. Historisch oder modern – das sei Teil der Aufgabe, die Architekten innerhalb des nächsten Jahres lösen sollten.

Man wolle vor einer Entscheidung des Preisgerichts ein Maximum an Ideen,Vorschlägen und Visionen bekommen, lässt er wissen. Als der Bundestag 2002 nach Empfehlungen der Kommission Historische Mitte den Aufbau des Humboldt-Forums in der Kubatur des einstigen Hohenzollernbaus beschloss, „gab es über die Kuppel keine entschiedene Aussage“, erinnert sich Wolfgang Thierse. Es sei in erster Linie um ein Bauwerk mit drei historischen Schlossfassaden gegangen. Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss meint, mit dem Hinweis auf den Bau einer Kuppel oder gar auf die Innengestaltung habe die damalige Diskussion um den Schlossaufbau „nicht überfrachtet“ werden sollen. Als er selbst 1993/94 auf dem Schlossplatz seine spektakuläre Schlosskulisse aufbaute, fehlte die dazugehörende Kuppel. Eigentlich habe er sie originalgetreu aufs Gerüst setzen wollen, an eine Konstruktion wie eine aufblasbare Traglufthalle gedacht, aber das Geld – rund ein halbe Million D-Mark – habe gefehlt. Aber die Kuppel wäre damals auch gar nicht richtig zur Geltung gekommen, weil zu dieser Zeit noch das alte DDR-Außenministerium stand und die Sicht von Unter den Linden auf die Kuppel verstellt hätte. So sei vor allem die Lustgarten-Fassade zur Geltung gekommen, die keine Kuppel hatte. Aber witzig wäre so ein Luftaufsatz schon gewesen, meint Boddien, weil er ab und zu auch Beulen geworfen hätte.

Mit seinen Schlosssimulationen, die alle die historische, in Wirklichkeit rund 40 Meter hohe Stüler-Kuppel anno 1850 zeigen (Eosander plante ursprünglich gar eine doppelt so hohe Kuppel), habe der Förderverein Überzeugungsarbeit geleistet, sagt von Boddien. Sie gehört zu allen Abbildungen für das neue Humboldt-Forum, schon seit Jahren, obwohl sie nicht beschlossen wurde. Dass eine Kuppel aufs Schloss muss, darauf einigten sich schließlich auch der Bundesbauminister und der Regierende Bürgermeister Anfang des Jahres. In den Bau- und Einrichtungskosten, die 552 Millionen Euro nicht überschreiten sollen, sind 13 Millionen Euro vom Bundesbauministerium für die Kuppel kalkuliert. Früher lag sie über der Schlosskapelle, spendete Licht. Künftig könnten hier zwei übereinander gelagerte Leseräume für die Landesbibliothek eingerichtet werden.

Und sollte die Kuppel zwei oder drei Millionen Euro mehr kosten, will Wilhelm von Boddien, dessen Verein 80 Millionen für die historischen Fassaden beisteuern will, „auch für den Mehrpreis sammeln“. Die Kuppel sei für das Schloss jedenfalls extrem wichtig: „Sie gibt dem Gebäude eine vernünftige Note, die ihm gut ansteht.“  

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