Pro & Contra : Zahlen für betrunkene Kinder?

Fatina Keilani

PRO:



Dieser Spaß ist gar nicht so teuer: 43 Euro kostet es pro halbe Einsatzstunde, Betrunkene im Polizeiwagen zur Wache zu transportieren. Das wäre mal eine Lektion, die sich jeder Flat rate-Trinker vom Taschengeld leisten kann. Sind die Eltern dann nicht bereit, den Nachwuchs einzusammeln, kommen für die Übernachtung im Polizeigewahrsam noch einmal 152 Euro drauf – auch keine schlechte Lektion für Eltern. Natürlich hat jeder das Recht, sich und seine Leber nach Belieben selbst zu schädigen. Doch sollte er dann auch für sein Handeln die Verantwortung tragen, und das heißt: die Kosten nicht auf die Allgemeinheit abwälzen. Laut Polizeigewerkschaft können die Einsätze, mit denen betrunkene Jugendliche aufgelesen werden, bisher nicht berechnet werden. In der Polizeibenutzungsgebührenordnung liest sich das allerdings anders. Dort gibt es spezielle Kostensätze für Betrunkene, und es wird nicht unterschieden, ob jemand erwachsen ist oder nicht. Allerdings heißt es darin auch: Gebühren werden nicht erhoben, wenn das öffentliche Interesse an der Leistung der Polizei größer ist als das private Interesse. Darüber ließe sich hier mindestens streiten. (Fatina Keilani)


CONTRA:

Man kann den Frust mancher Polizisten schon verstehen – obwohl nicht jeder 17-Jährige, der betrunken auf einer Parkbank sitzt, sofort „gerettet“ werden müsste. Früher hatte man für so was seine Kumpel oder eine dermaßen schlechte Erfahrung, dass die nächsten Besäufnisse ausfielen. Die Polizei ist nur gefragt, wenn wirklich Not am Kind ist. Wenn man aber beginnt, für Rettung aus Not Geld zu verlangen, weil der Betroffene sich selbst in die Situation gebracht hat (oder nicht genügend beaufsichtigt wurde), wird es kritisch. Dann müsste jeder Übergewichtige für seine neuen Gelenke zahlen, jeder Freizeitsportler für die Folgen von Rad- oder Skiunfällen. Und was ist mit Depressionen oder Herzinfarkten? Zu viel gearbeitet? Selbst schuld! Noch verrückter wäre es, die Eltern zu bestrafen, die ihre heranwachsenden Kinder nicht rund um die Uhr bewachen können, und das auch gar nicht sollen. Aber es ist ja so schön einfach: Schuld sind die Mütter und Väter und nicht etwa zerbröselnde Sozialstrukturen, verlotternde Kieze, mangelnde Freizeitangebote, demotivierte Lehrer und ziemlich trübe Zukunftsaussichten. So leicht kann es sich die Gesellschaft nicht machen. (Sandra Dassler)

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