Berlin : PRO & Contra

André Görke

Pfui, wie sähe das denn aus?! Überall bunte Konzernslogans und fette Firmenlogos auf dem Terminal – ogottogott! Wer aus Kapstadt oder Köln bei uns landet, könnte glatt den Eindruck gewinnen, Berlin sei arm und brauche das Geld eines Namenssponsors.

Äh, ja – und? Arm ist unsere Stadt doch. Und wer in diesen Tagen auf den Flughäfen von Madrid, München, Münster landet und auch nur ein Fleckchen entdeckt ohne Werbung, sollte doch bitte einen Optiker seines Vertrauens kontaktieren.

Die Vermarktung geht auch absolut in Ordnung. Wir reden schließlich nicht von wunderschönen Museen und auch nicht von sensiblen Parlamentsgebäuden, wir reden nicht mal vom Mythos Tempelhof – sondern von einem Flughafenfunktionsgebäude ohne Tradition.

Der Name des Airports darf daher verkauft werden, wenn ein Konzern für die Rechte eine stattliche Millionensumme überweist. Und abseits des Kneipenstammtischs wird wohl keiner ernsthaft behaupten, dass die Flughafenbosse mit den Geldern ihren sonnigen Hawaii-Trip bezahlen. Wenn mit den Millionen Schulden abgebaut und Arbeitsplätze gesichert werden: danke, sehr gern – auch im Namen der künftigen Generationen. Noch Fragen? Ja, natürlich – eine bleibt. Und die Anwort lautet: Nein, niemand muss den Firmennamen als Zielort nennen. Es sagt ja auch heute niemand Otto Lilienthal, wenn er in Tegel landet. André Görke

Die sogenannten Liberalen ersparen einem auch gar nichts. Während andere diskutieren, welcher Name gut genug ist fürs größte Bauprojekt Ostdeutschlands, sagen die üblichen Verdächtigen: Verhökern. Verhökern, verhökern, verhökern. Fällt denen wirklich nie etwas anderes ein? Oder haben sie sich vielleicht schon das Nachdenken abgewöhnt? Stellen wir uns also vor, die Menschen steigen an Orten wie New York oder Paris ins Flugzeug. An Flughäfen, die zu Ehren von John F. Kennedy und Charles de Gaulle deren Namen tragen. Und wo fliegen die Leute hin? In die Hauptstadt von Deutschland, Europas stärkster Wirtschaftsnation. Bei der Landung heißt es dann: „Meine Damen und Herren, willkommen in Berlin-Coca-Cola / -Vodafone / -Gasprom“; je nachdem, welcher Konzern zum Zeitpunkt der Versteigerung gerade das meiste Geld durch Ausgeben vor dem Finanzamt retten musste. Die Ansage hören dann 30 Millionen Menschen im Jahr. Die größte anzunehmende Peinlichkeit, im Minutentakt, jahrzehntelang. Wenn einer fragt, wie das passiert ist, erklären wir dann, dass die Baukosten des Flughafens dank diesem Coup von 4,229 auf 4,226 Milliarden Euro gesunken sind und die Ticketgebühren pro Nase sonst zwei Cent höher wären. Tolle Idee, wirklich. Verkaufen wir doch den Stadtnamen gleich mit, damit er zum Flughafen passt und noch ein paar Euro mehr reinkommen.Stefan Jacobs

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