Berlin : PRO & Contra

Stefan Jacobs

Pro:

Der Urlaub war schön und die Koffer sind prall gefüllt mit Mitbringseln, zwischen denen irgendwo auch die Bargeldreserve klemmen müsste. Wie gut, dass der Taxifahrer am Flughafen nicht nur beim Einladen hilft, sondern auch Kreditkarten akzeptiert. Und weil sein Taxi frisch gewaschen ist, versauen wir uns auch nicht gleich die hellen Sachen, die wir vor dem Rückflug angezogen haben, damit unsere Kanarenbräune besser zur Geltung kommt.

Und jetzt: Zahlen bitte. Die Taxifahrt kostet 16,50 Euro plus 50 Cent Tegel-Zuschlag. Der Taxifahrer bekommt drei Prozent Kreditkartengebühr aufgebrummt, also 51 Cent. Die Waschanlage heute früh hat ihn 7,50 Euro gekostet, und weil er auf unsere Tour zwei Stunden warten musste, beläuft sich sein Umsatz auf aktuell 8,50 Euro pro Stunde. Erstaunlich, dass der Fahrer trotzdem freundlich ist.

Und wir? Sind entweder teuer geflogen, so dass der Tegel-Zuschlag vielleicht 0,1 Prozent des Flugticketpreises entspricht. Oder wir waren billig unterwegs und mussten den Kaffee an Bord mit 2,50 Euro extra bezahlen. Dann entspricht der Zuschlag einem zu 20 Prozent gefüllten Kaffeebecher. Wer sich angesichts dieser Relation über 50 Cent extra aufregen kann, sollte lieber den Bus nehmen. Aber Vorsicht: Dort hilft einem niemand mit dem Koffer, und der Fahrschein kostet trotzdem mehr als vier Taxizuschläge. Stefan Jacobs

Contra: 50 Cent für ein sauberes Taxi mit englischsprachigem Fahrer am Flughafen? Diese Forderung ist, freundlich formuliert, eine Frechheit. Aber diese Forderung hat ein Gutes: Sie ist der wunderbare Beweis, dass ein schmutziges Taxi in Berlin nicht einmalig, sondern Normalität ist. Normalität ist auch, dass das Taxi sich nicht an Tempo 50 hält und an rote Ampeln auch nicht. Normalität ist auch, dass ein Ostberliner Fahrer 19 Jahre nach dem Fall der Mauer nicht den kürzesten Weg zum Bahnhof Zoo findet und ein Westberliner das Ziel „Marzahn“ so kommentiert: „Da war ich noch nie.“ 

Ein sauberes Taxi ist eine Selbstverständlichkeit und nichts, was einen Aufschlag rechtfertigt. Bislang waren die Taxiverbände stolz darauf, dass es in Berlin einen Einheitspreis gibt, der Tag und Nacht und zu jedem Ziel gilt. 50 Cent am Flughafen (wieso eigentlich nur in Tegel und nicht in Schönefeld?) sind der Einstieg in den Tarifdschungel.

Die Fahrer klagen ständig über den geringen Verdienst. Aber wieso wollen dann so viele damit ihr Geld verdienen? Liegt es etwa daran, dass viele Taxi fahren, die das eigentlich gar nicht dürfen? Wenn die Verbände etwas für ihr Image tun wollen, dann sollten sie in ihren Reihen aufräumen und nicht zusätzlich abkassieren. Und bevor sie mit Englischunterricht anfangen, wäre eine Grundausstattung der Fahrer an deutschen Sprachkenntnissen sinnvoll. Jörn Hasselmann

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