Berlin : PRO & Contra

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Androhung, kräftig zur Kasse gebeten zu werden, wenn man sich ordnungs- oder gesetzeswidrig verhält, ist immer ein starkes Mittel. Es steht auch nicht im Widerspruch zur strafrechtlichen Verfolgung, sondern schreckt zusätzlich ab. Ein Supermarkt darf dem erwischten Ladendieb nicht nur eine Strafanzeige verpassen, sondern auch eine „Aufwandsentschädigung“ von 50 Euro aufbrummen. Warum sollte sich also die Polizei zurückhalten, wenn ein Trittbrettfahrer mit einem Amoklauf droht? Selbst bei einem kleineren Ermittlungseinsatz, um den kriminellen Wichtigtuer zu finden, entstehen hohe Kosten, und es gibt überhaupt keinen Grund, in jedem Einzelfall tausende Euro den Steuerzahlern anzulasten. Und wenn es sich um Jugendliche handelt, die noch nicht volljährig sind, müssen eben die Eltern zahlen. Ein wirksamer Denkzettel, der vielleicht hilft, sich um das eigene Kind und dessen beschädigte Gefühlswelt mal wieder mehr zu kümmern. Die Androhung eines Amoklaufs ist kein schlechter Scherz. Wer so etwas macht, dem muss sofort die Rechnung präsentiert werden, damit ein zweiter Versuch unterbleibt. Sollte es notwendig sein, dafür ein Gesetz oder eine Gebührenordnung zu ändern, dann sollte dies jetzt geschehen. Eine breite politische Mehrheit wird sich dafür finden. Ulrich Zawatka-Gerlach

Politiker tun gerne so, als könnte man Leuten mit den Folgekosten für einen Polizeieinsatz Angst machen. Doch abgesehen vom Autoabschleppen dürften die Fälle rar sein, in denen die Polizei eine Rechnung präsentiert – und sie bezahlt bekommt. Was der Innensenator angekündigt hat, wirkt nur auf den ersten Blick wie eine kühle Drohung. Auf den zweiten Blick dürften schlichte strafrechtliche Maßnahmen effektiver sein. Der Trittbrettfahrer ist (manche Leute sind da ganz sicher) ein bürgerliches Mittelstandsbübchen, das mal Macht fühlen und anderen Angst machen will. Wenn das Klischee stimmt, dürfte auch zutreffen, dass Mama und Oma genau wissen: „Er hat es doch nicht so gemeint. Nehmen wir ihm die Rechnung über 8266 Euro für den Einsatz des Spezialeinsatzkommandos und die sieben Telefonabhörmaßnahmen ab.“ Wenn aber der Trittbrettfahrer ein hasserfüllter Angehöriger des Prekariats ist, der Angst machen und Macht fühlen will: Dann leistet er in Anbetracht der Rechnung seinen Offenbarungseid, und das war es. Trittbrettfahrer sind verklemmte, feige Typen. Gegen solche Leute hilft nur die Konfrontation mit einer strammen Anklage mit allem darin, was das Strafgesetzbuch hergibt, der Begegnung mit dem Staatsanwalt und dem Gericht. Das macht mehr Eindruck als jede Rechnung. Werner van Bebber

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