Berlin : PRO & Contra

Stefan Jacobs,Sigrid Kneist

PRO



Der Begriff „Morgengrauen“ sagt viel: Der Wecker lärmt, draußen ist es noch so dunkel, dass der Graupel kaum erkennbar ist, und an der Bushaltestelle herrschen gefühlte minus 20 Grad. Alle Jahre wieder verlängert die Sommerzeit dieses Elend bis in den Mai. Und wer sich darüber aufregt, sollte bloß nicht an einen dieser Frühaufsteher geraten, der nicht wahrhaben will, dass er kein besserer Mensch ist, sondern nur seine innere Uhr anders tickt. Das Motto: „Ausschläfer = Faulpelz“ ist unfair, zumal viele Frühaufsteher den Tag nur dank regelmäßiger Koffeinzufuhr überstehen, während Langschläfer sogar nach der Tagesschau noch Großes zu leisten vermögen. Und auch die Fakten sprechen fürs Ausschlafen: Schüler sind in der ersten Stunde nicht aus Trotz todmüde, sondern angeborenerweise. Und die nach der Zeitumstellung gehäuft auftretenden Verkehrsunfälle sind auch kein Protest von Querulanten, sondern biologisch bedingter Kollateralschaden. Was dank der Sommerzeit abends an Strom gespart wird, ist morgens schon dreimal durch die Heizung gerauscht. Die Forschungsergebnisse sollten nicht länger ignoriert werden. Und rechthaberische Frühaufsteher dürfen ab sofort auch „Abendmuffel“ genannt werden. Stefan Jacobs

CONTRA

Guten Morgen! Schon ausgeschlafen? Wenn Sie diese Zeilen zur gewohnten Uhrzeit lesen, haben Sie ja jetzt eine Stunde weniger Nachtruhe gehabt. Sind also wegen der heute einsetzenden Sommerzeit früher aufgestanden. Das lohnt sich und gibt ein wunderbares Gefühl. Ab sofort ist der Tag eine Stunde länger, bis mindestens 20 Uhr ist es jetzt hell. Vorbei die dunkle Jahreszeit.

Zeitig aus dem Bett zu hüpfen lohnt sich, vor allem im Sommer. Zu keiner Zeit ist die Stimmung so schön wie am frühen Morgen, die Luft ist klar, das Licht ganz sanft. Weil die Stadt großteils noch schläft und ruhig ist, kann man sich über das Vogelgezwitscher freuen, das im Laufe des Tages von den Alltagsgeräuschen derart überdeckt wird, so dass man es kaum mehr hört. Frühaufstehen muss ja nicht heißen, sofort zur Arbeit zu hetzen und strebermäßig als erster im Büro zu sitzen, um dort über diejenigen zu lästern, die später eintrudeln, weil ihnen das Wachwerden wegen ihres persönlichen Biorhythmus schwerer fällt.

Wer sich partout nicht mit dem Frühaufstehen anfreunden kann, wird spätestens am 25. Oktober entschädigt. An dem Tag endet die Sommerzeit, und man darf eine Stunde länger schlafen. Im Winter ist es ohnehin ständig duster. Sigrid Kneist

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