Berlin : PRO & CONTRA

Ulrich Zawatka-Gerlach

PRO



Es spricht nicht alles, aber einiges für eine neue Landesbibliothek. Das stärkste Argument: Die Amerika-Gedenkbibliothek hielt dem Publikumsandrang schon vor dem Mauerfall kaum noch stand. Die Stadtbibliothek in Mitte und die Senatsbibliothek sind eher Spezialeinrichtungen. Die Zersplitterung der Standorte ist unwirtschaftlich, die Technik der Gebäude ist für neue Medien, die ein junges Publikum fordert, wenig brauchbar. Es fehlt Platz für Magazine, aber auch für Ausleihbestände. Die Landesbibliothek braucht, einfach gesagt, einen gewaltigen Modernisierungsschub und eine Architektur mit Hauptstadtflair. Andere Metropolen machen es uns vor. Dies alles lässt sich grundsätzlich auch in Altbauten realisieren, aber erfahrungsgemäß kommt das teurer als ein Neubau, rechnet man Investitions- und laufende Kosten zusammen. Außerdem kann eine neue Landesbibliothek als Ankermieter helfen, das ehemalige Airportgelände attraktiver zu machen, Menschen anzuziehen. Natürlich sind 270 Millionen Euro viel Geld für eine Stadt, die unter Haushaltsnotstand leidet. Ein kleiner Trost: wenn die Bibliothek ab 2012 gebaut wird, geht es den Berliner Finanzen im Zuge des nächsten Aufschwungs wohl wieder besser. Ulrich Zawatka-Gerlach

CONTRA

Bei manchen Entscheidungen kann man nur den Kopf schütteln. Jetzt geht es also in dieser Stadt mit extremer Haushaltsnotlage um 270 Millionen Euro, die in eine „zeitgemäße Metropolenbibliothek“ gesteckt werden sollen. Mit dieser Summe könnte man die 78 Berliner Büchereien gut acht Jahrzehnte lang betreiben. Aber nein, jetzt soll es ein neues Mammutumbauvorhaben geben. Mehr als 70 Bibliotheksstandorte wurden in Berlin zuletzt geschlossen, aber die, die blieben, auch die großen Häuser, haben in den vergangenen Jahren längst modernisiert: Dort kann man auch DVDs und Computerspiele, Reiseführer und Hörbücher ausleihen. Überall gibt es Lesungen, Veranstaltungen, Betreuungsangebote für Grundschüler. Immer mehr Leute nutzen das Angebot, prüfen über das Internet den Bestand, schnell liefern die Häuser den gewünschten Band an. Nun heißt es plötzlich, AGB, Senatsbibliothek oder auch das Haus an der Breite Straße könnten nicht mit der modernen Technik Schritt halten und würden aus allen Nähten platzen. Doch das würde sich mit dem Umzug am neuen Standort gar nicht ändern, auch da reicht der Platz nicht aus. Die dreistellige Millionensumme lässt sich also wirklich sinnvoller investieren. Annette Kögel

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