Berlin : PRO & Contra

PRO



Eisbären leben in der Regel am Nordpol. Wenn nicht, dann im Zoo, und der muss nicht zwangsweise im Westen liegen. Knut ist Berliner, kein Zweifel, das ist weltweit bekannt. Aber eben kein West-Berliner, sondern ein gesamtdeutscher Hauptstadtbär. Und deshalb spricht vieles dafür, dass er in den Berliner Tierpark umzieht. Denn der Zoologische Garten, in dem der Bär aller Bären großgeworden ist, wird für Knut zu klein. Es ist zwar der artenreichste Zoo Deutschlands, aber dort drängeln sich die Tiere, nicht für alle ist die Haltung artgerecht. Das gilt auch für den Eisbären, er braucht Platz, und den hätte er in Europas größtem Landschaftstiergarten, dem Tierpark im Osten Berlins, zu Genüge. Ein wunderschöner Park, der aber leider im Schatten des Zoologischen Gartens steht. Unser Eisbär könnte sich dort, in einem neuen, großen Gehege, von seiner besten Seite zeigen. Und er könnte sich vor allen Dingen bärenmäßig wohlfühlen. Wer Tierfreund ist und wer Knut lieb hat, der sollte ihm den Umzug gönnen – und der Tierpark würde von zusätzlichen Besuchern profitieren. Da kommt man schlecht hin? Überhaupt nicht. Eine halbe Stunde Fahrt mit der U-Bahn, selbst wenn man aus der City-West kommt. Ulrich Zawatka-Gerlach


CONTRA

Knut ist ein Maskottchen, natürlich. In erster Linie ist er aber ein Lebewesen, mit dem der Zoo verantwortungsvoll umgehen muss. Der Bär ist im Zoologischen Garten aufgewachsen, er kennt die Gerüche, er kennt die Pfleger. Er hat darunter gelitten, dass er von Thomas Dörflein getrennt wurde, und er wird wieder leiden, sollte er seine jetzigen Pfleger verlieren. Für Knut macht es keinen Unterschied, ob er nach Orsa in Schweden, in den Gelsenkirchener Zoo oder in die ungewohnte Umgebung des Berliner Tierparks kommt. Das interessiert allein die Menschen: Knut, hieß es, muss in Berlin bleiben, weil er ein Markenzeichen für die Stadt geworden ist. Aber Knut ist das Wappentier West. Daniel Libeskind etwa sagte, der Bär sei ein Symboltier für den Zoo – nicht für den Tierpark. Es wäre eine typisch verschrobene Berliner Entscheidung, diese Symbolkraft zu brechen. Und auch das letzte, das kommerzielle Argument, dem Tierpark Mehreinnahmen durch Knut zu bescheren, greift nicht: Touristen fahren nicht bis nach Friedrichsfelde. Wenn bemerkt würde, dass keiner kommt, um den Star zu sehen – würde Knut dann erneut umziehen müssen, damit er wieder im Rampenlicht steht? Bitte nicht! Patricia Hecht

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