Berlin : PRO & Contra

Werner van Bebber,Anna Sauerbrey

Pro



Nur so kann Integration gehen: Migranten müssen sehen, dass sie in dieser Stadt etwas werden können. Dass dies nicht mit einem Senatsbeschluss getan ist, liegt auf der Hand. Integrationsbereitschaft muss auch bei denen zu erkennen sein, die als Kinder von Einwanderern hier leben. Das beginnt mit der Fähigkeit, einigermaßen gut Deutsch zu sprechen.

Doch wenn die bildungsmäßigen Voraussetzungen stimmen, spricht alles für eine Migrantenquote: Lehrer und Erzieher, Polizisten und Feuerwehrleute, vielleicht sogar Finanzbeamte aus Einwandererfamilien sollten über ein paar Jahre hinweg vorzugsweise eingestellt werden. Das hätte zwei große Vorteile: Eine solche Einstellungspolitik würde zeigen, dass die Stadt Berlin Integrationspolitik ernst meint und nicht nur auf der Symbolebene nach dem Motto „wir reden alle immer so nett miteinander am runden Tisch“ betreibt.

Berlin würde zu einer Einwandererstadt, in der Einwanderer auch ankommen können. Das würde, zweitens, die Vorbehalte entkräften, die viele Migranten immer wieder gerne verbreiten: dass sie hier nicht gewollt sind. Eine türkischstämmige oder palästinensische Lehrerin an einer Schule, deren Migrantenquote bei 50 Prozent liegt, kann viel mehr bewirken, als der Lehrplan ihr abverlangt. Sie personifiziert den Satz: Wenn du willst, dann geht es auch. Werner van Bebber

Contra

Braucht Berlin mehr Migranten als Beamte und im öffentlichen Dienst? Auf jeden Fall. Ist hier die Politik gefragt? Auch das ist unstrittig. Aber die Mittel wollen sorgfältig gewählt sein. Verfassungsbedenken, das hat die Prüfung einer Migrantenquote für Lehrer gezeigt, sind berechtigt. Rechtlich müssen alle gleich sein, denn jede Bevorzugung der einen bedeutet einen Nachteil für die anderen. Ganz abgesehen von unerwünschten Quoten-Nebeneffekten, erinnert sei nur an das schlechte Image der „Quoten-Frau“.

Nun behelfen sich Feuerwehr und Polizei, indem sie die Ansprüche an ihren Nachwuchs senken. Auch das könnte sich als fatal erweisen. Gerade im öffentlichen Dienst dürfen die Bürger gut ausgebildete Mitarbeiter erwarten, die interkulturelle Kompetenzen nicht statt, sondern zusätzlich zu anderen Leistungen mitbringen. Die Politik muss also an einem anderen Punkt ansetzen. Gleiche Chancen für alle erreicht man nicht, indem man einige beim Zugang zum Beruf bevorzugt oder die Hürden senkt. Vielmehr müssen alle befähigt werden, gleichberechtigt am freien Wettbewerb um Jobs teilzunehmen. Die Mittel müssen also heißen: mehr Kitaplätze, mehr Sprachförderung schon im Kindesalter, mehr Förderung von Schülern aus Migrantenfamilien mit mehr Personal an den Schulen. Dann bekommen auch Kinder aus Migrantenfamilien einen Ausbildungsplatz, dann schaffen auch sie den Polizei-NC. Anna Sauerbrey

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