Berlin : PRO & Contra

Fatina Keilani

Sicher, etwas kühn scheint der Vorschlag zu sein: Am 1. Dezember kommt die Polizei an alle weiterführenden Schulen und holt illegale Waffen ab. Besonderes Lockvogelangebot an die Schüler: Ihre auf diese Weise offenbarten Missetaten bleiben sanktionsfrei. Auch soll die anschließende Vernichtung der Butterflymesser, Schlagringe und was unsere Schüler sonst noch so vom Taschengeld gekauft haben, gratis sein. Diese Idee der Polizei hat sich die Bildungsverwaltung zu eigen gemacht und alle Schulleiter über den Plan informiert. Die Lehrer sollen die Waffen einsammeln; so werden die Personalien der vormals bewaffneten Schüler polizeilich nicht erfasst. So verwegen und vielleicht zugleich naiv das Vorhaben auch erscheinen mag: Man muss eben alles versuchen. Ob man Gewaltdelikte und Amokläufe auf diese Weise verhindern kann, mag zweifelhaft erscheinen. Die bisherigen Amokläufer – Winnenden stand Pate für dieses Projekt – hätte vorher meist auch keiner für solche gehalten. Anti-Gewalt-Trainings und Sozialprojekte helfen bestimmt auch, aber Erfolge sind hier schwer messbar. Dagegen zählt jedes abgegebene Messer, jeder einkassierte Schlagring und wer weiß, was für Kampfgerät in den Haushalten mancher Jugendlicher sonst noch greifbar ist. Man wird sehen, was die Idee bringt. Den Versuch ist es wert. Fatina Keilani

Waffen haben an Schulen nichts zu suchen. Niemals! Deswegen ist es absurd, die Schulleitungen aufzufordern, am 1. Dezember Waffensammelstellen einzurichten. Wie naiv ist man bei der Bildungsverwaltung, um auf diesen Vorschlag zu kommen? In der Hoffnung, dass möglichst viele sich von ihrem Arsenal trennen. Natürlich wissen wir, dass in zu vielen Schülerrucksäcken Messer und andere Unheil bringende Gerätschaften zur Grundausstattung gehören. Es ist bestimmt richtig, wenn die Lehrer das Thema Waffenamnestie im Unterricht – etwa der politischen Sozialkunde - ansprechen und dabei vielleicht dem einen oder anderen tief in die Augen schauen. Aber daraus eine Aktion der kollektiven Waffenabgabe machen zu wollen, ist weltfremd. Sollen sich die Jugendlichen etwa im Kreis versammeln, die Waffen reinlegen und die Formel „So etwas will ich nie wieder bei mir haben!“ sprechen? Vor allem auch ist in der Schule die Anonymität nicht gewahrt, die man eventuell braucht, um den Schritt der persönlichen Abrüstung zu gehen. Oder dachte man, die Jugendlichen wüssten vielleicht nicht, an wen sie sich wenden könnten? Keine Sorge, Bürschchen, die gewitzt genug sind, sich Springmesser und Totschläger zu besorgen, sind auch in der Lage, allein herauszufinden, wo sie diese wieder abgeben können. Sigrid Kneist

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