Berlin : PRO & Contra

Sigrid Kneist

Wahrscheinlich sind auch Bildungspolitiker froh, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen. Die Schüler heutzutage sind die Versuchskaninchen ihrer mannigfachen Reformen im Bildungswesen. Nach jahrelangen Versäumnissen wurden die meisten Neuerungen übereilt eingeführt. Dazu gehört, dass die Prüfungen des mittleren Schulabschlusses für ausnahmslos alle Schüler obligatorisch sind, die mehr erreichen wollen als den Hauptschulabschluss. Und damit auch für Gymnasiasten. Dabei sind diese doch gar nicht die Zielgruppe. Wie der Name sagt, geht es um den mittleren Schulabschluss, den man auf ein einheitliches Niveau heben wollte. Bei Gymnasiasten, die nach der zehnten die Versetzung in die elfte Klasse geschafft haben, muss man davon ausgehen, dass sie dieses Level überschreiten. Das zeigen auch die Ergebnisse: Welchen Erkenntniswert hat es noch, wenn 99 Prozent der Gymnasiasten die Prüfungen bestehen? Warum muss man die Schüler damit belasten? Ihre Stundenpläne sind durch das Turboabitur voll genug. Außerdem nimmt man den Schülern die Möglichkeit, ein Jahr im Ausland zu absolvieren, ohne ein Schuljahr wiederholen zu müssen. Von Schulzeitverkürzung kann dann keine Rede mehr sein. Also: Überflüssiges abwerfen und den MSA an den Gymnasien abschaffen. Sigrid Kneist

Prüfungen machen nie Spaß. Nicht nur den Prüflingen, sondern auch den Prüfern, die mehr Arbeit haben. Aber um Spaß geht es nicht beim Mittleren Schulabschluss. Prüfungen gehören zum Leben, zum Erwachsenwerden dazu. Für die Jugendlichen sind die Klassenarbeiten zum Mittleren Schulabschluss in der Regel die erste wirkliche Prüfung, auf die sie sich vorbereiten müssen, die sie bestehen müssen. Das gilt für die Hauptschüler ebenso wie für die Gymnasiasten. Zugleich ist der MSA für das Land Berlin ein Werkzeug für eine einheitliche Leistungsstandkontrolle aller Schulzweige. Es ist nicht verwunderlich, dass Gymnasiasten die Prüfung zu einem weit höheren Prozentsatz bestehen als Hauptschüler; nur das Gegenteil wäre es. Für ihre Abschaffung an Gymnasien gibt es dennoch keinen Grund. Schließlich weisen auch die Schulen selbst in Qualität und Leistungsfähigkeit deutliche Unterschiede auf. Die MSA-Ergebnisse geben deshalb nicht nur den Schülern einen Hinweis, wo sie stehen; auch die Schulleiter müssen sich den Ergebnissen stellen. Das ist manchem Pädagogen nicht recht, der bei Vergleichbarkeit sofort an Rankings denkt. Aber für die Eltern, die für ihre Kinder nach der richtigen Schule suchen, sind auch die Ergebnisse der MSA ein ganz nützlicher Fingerzeig. Gerd Nowakowski

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