Berlin : PRO & Contra

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PRO


Schnee räumen – das ist ein Service wie jeder andere auch. Eine vertraglich vereinbarte Dienstleistung, die Hauseigentümer wenigstens teilweise im Voraus bezahlen. Eine Pauschale, unabhängig davon, ob und wie viel Schnee fällt. Bei einem milden Winter haben die Winterdienste Glück, bei einem harten Winter müssen sie ran. Aber viele wollen nicht oder tun so, als hätten sie schon geschippt, oder Mitarbeiter sind krank usw. Wenn die Putzfrau drei Mal nicht kommt, sucht man sich eine andere Hilfe. Wenn die städtischen Müllmänner blau machen, was sie nicht tun, würde man die Ratenzahlungen aussetzen. Aber so manche Winterdienste fühlen sich offenbar in einer starken Position, weil sie das Geld schon im Sack haben und der Schnee nach der vierten Beschwerde geschmolzen ist. Die Schwelle ist für viele Grundbesitzer hoch, sich per Mahnbescheid, Beschwerde beim Ordnungsamt oder gar vor Gericht im Nachhinein auseinanderzusetzen. Und sich mitten in der Wintersaison einen anderen Schneeräumer zu suchen, macht auch selten Sinn, denn man zahlt doppelt – und ob der neue Dienst wirklich zuverlässiger ist? Die schwarzen Schafe unter den Winterdiensten wissen das alles und nutzen die nachteilige Lage ihrer Kunden aus. Da helfen nur saftige Strafen, um wirksam abzuschrecken. Ulrich Zawatka-Gerlach

CONTRA
So war das schon immer. Kaum klappt mal etwas nicht, wird nach härteren Strafen gerufen. Hundebesitzer lassen ihre Tiere trotzdem überall hinmachen. Bürger vermüllen ihre Parks weiter. Autofahrer verhalten sich dennoch nicht verkehrsgerecht. Das ist die bittere Realität, obgleich die Strafen für diverse Ordnungswidrigkeiten immer wieder nach oben korrigiert wurden.

Ja, es ist ärgerlich und gefährlich, dass Winterdienste ihre ureigenste Aufgabe vernachlässigen. Hausbesitzer können dafür ihre privaten Dienste schon jetzt haftbar machen, Anzeigen wegen Ordungswidrigkeit stellen. Statt die Höhere-Strafen-Keule zu schwingen, sollte man lieber schnell nach pragmatischen Lösungen suchen. Offenbar haben die rekordverdächtigen Schneemengen viele Räumpflichtige ins Schlittern gebracht. Wir brauchen einen Krisen-Roundtable der Branche: Wer hat noch Leute frei, wer kann Maschinen zur Verfügung stellen? Zudem könnte man Arbeitslose unbürokratisch an den Schneeschieber bitten, statt mit Händen in den Taschen zu schimpfen. Miniermottenblätter selbst wegzufegen ist bereits Tradition – und es wirkt. Im Ausnahmewinter 2009/2010 sollte der Berliner lieber Improvisationstalent und Innovationsfreude an den Tag legen, anstatt ins Leere zu meckern. Annette Kögel

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