Berlin : PRO & Contra

Ja, Berlin sollte wieder wettbewerbsfähig werden – gerade bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen. Für die Bildung des Nachwuchses, der die Zukunft ist, braucht es die besten Lehrer. Und wie hält man die in der Stadt? Richtig, mit ordentlichen Verträgen und sicheren Jobs. Mit dem Beamtenstatus zum Beispiel. Gerade in Krisenzeiten ist das ein Trumpf. Ach was, wird mancher sagen, zu teuer, antiquiert und macht auch noch träge. Aber das ist falsch: Denn wer Menschen eine Perspektive bietet, und sei es auf Lebenszeit, der untergräbt nicht dadurch allein schon die Motivation. Der Umkehrschluss ist richtig: Wer sich nicht bindet, trägt keine Verantwortung. Zu beobachten ist das bei vagabundierenden „Eliten“, die auf der Jagd nach Millionenboni schon mal das globale Finanzsystem aufs Spiel setzen – Hauptsache, die Kasse stimmt. Es ist absurd, dass wegen der so verursachten Finanzkrise das Gemeinwesen jetzt härter sparen, noch mehr streichen muss – bei der Bildung. Wer sich mit Lehrern in sozialen Brennpunkten unterhält, der weiß, wie schwer dieser Job ist. Und warum mancher vor der Zeit ausgebrannt ist. Aber wie vielen Generationen hat dieser Mensch zuvor den Weg zum Schatz gewiesen, zur Bildung! Wer diese Leistung nicht honoriert mit dem Kalkül, einen kranken Angestellten werde man leichter los, der ist einfach nur zynisch. Ralf Schönball

Die Gebrechen des Berliner Lehrkörpers sind zahlreich. Berliner Lehrer sind im Durchschnitt zu alt, das führte zu überdurchschnittlich hohen Ausbrennerscheinungen und Leiden, die bei Menschen auftreten, wenn ihnen ihr Beruf zu viel wird. Die früher gewohnte Verbeamtung hat diese Gebrechen nicht lindern können; sie hatte eher zur Folge, dass Gebrechlichkeit im Lauf vieler Jahre die gesamte Lehrerschaft ergriff. Der Senat ist, nach Jahren der Ignoranz, zur Tat geschritten, und hat den Lehrkörper verjüngt, indem er neue Kräfte anstellte, unter Verzicht auf die Beamtensicherheit. Das war klug. So reagiert man schnell auf akute Bedürfnisse. So sichert man sich als Arbeitgeber die Möglichkeit, sich von Leuten zu trennen, die nicht so richtig arbeiten wollen. Und man gewinnt Verhandlungsfreiheit für alle Fälle, die zwischen den Extremen liegen. Die Brandenburger ignorieren die Gründe für die Berliner Linie der Nichtmehr-Verbeamtung, die für alle die sinnvollere Umgangsweise mit Lehrern darstellt. Das ist fahrlässig in Anbetracht der Brandenburger Haushaltsproblematik. Der Senat aber hat keinen Grund, die moderne Linie zu verlassen. Im Gegenteil: Lehrer, die sich ihrer Schule und ihren Schülern so wenig verbunden fühlen, dass sie beim ersten Beamtenlockruf nachgeben, soll man ziehen lassen. Das lässt in Sachen Motivation tief blicken. Werner van Bebber

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