Berlin : PRO & Contra

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Eine Ohrfeige schadet angeblich nicht. Soll man deshalb auch wegsehen, wenn ein Kind von der Mutter oder dem Vater geschlagen wird? Nein und nochmals nein! Wer seinem Kind in der Öffentlichkeit Schläge verpasst, wird sich wahrscheinlich zu Hause erst recht nicht beherrschen können. Egal, in welcher Situation. Sicher, Kinder können nerven und auch Eltern zur Weißglut treiben, so dass die Hand schon mal ausrutschen will. In den eigenen Wänden bleiben Schläge leider ja meist ungesühnt. Wo niemand zusehen kann, kann auch niemand eingreifen. Anders in der Öffentlichkeit. Die Möglichkeit, Kinder zu schützen, soll man hier auch nutzen. Einfach ist es nicht. Schon beim Ansprechen riskiert man, selbst attackiert zu werden. Nicht nur verbal. Deshalb ist es richtig, Hilfe durch die Polizei zu holen und Anzeige zu erstatten. Dann müssen die Zuschlagenden wenigstens nachdenken. Und wenn sie auch noch vor Gericht erscheinen müssen, heben sie sicher nicht mehr so schnell die Hand zum Zuschlagen – zumindest nicht in der Öffentlichkeit und dann vielleicht auch nicht mehr zu Hause. Erziehen mit Schlägen sollte nicht nur auf dem Papier verboten sein, sondern auch aus den Köpfen verschwinden. Notfalls mit Druck von außen. Dazu gehört auch eine Anzeige. Sie schadet ganz gewiss nicht. Klaus Kurpjuweit

Das ist eine Horrorvorstellung für alle Eltern: Die kleine Tochter oder der Sohn sind im Menschengewühl auf dem Markt oder im Kaufhaus plötzlich verschwunden. Panische Suche, Angst schnürt die Kehle zu – da kann einem als Vater im Affekt schon mal die Hand ausrutschen, wenn das verloren gegangene Kind plötzlich wieder da ist. Vor allem, falls man es vorher mehrfach ermahnt hat, bitte nicht zu bummeln und ständig zurück zu bleiben. Dass ein Vater für eine solche Schelle und eine zweite Ohrfeige etwas später im Auto angezeigt wurde und nun wegen Körperverletzung 800 Euro zahlen muss, ist übertrieben und wird der Situation nicht gerecht. Das soll kein Plädoyer fürs Schlagen sein. Wenn Kinder offenkundig misshandelt werden, muss man sich unbedingt einmischen und Anzeige erstatten. Aber eine Schelle ist normalerweise keine Misshandlung. In diesem Fall wäre es besser, wenn Dritte mit mehr Augenmaß und praktischer Lebenserfahrung reagierten. Eine Ohrfeige im Affekt kommt in den besten Familien vor. Wichtig ist, dass Eltern sich fragen, weshalb sie die Kontrolle verlieren, dass sie mit dem Kind darüber reden oder ihm in der Erziehung klarere Regeln aufzeigen. Wo führt es hin, wenn Eltern bei jeder Überreaktion damit rechnen müssen, dass ein Zeuge schon eifrig dabei ist, die Polizei zu rufen? Christoph Stollowsky

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