Berlin : PRO von Stephan Wiehler

Das preußische Erbe wiegt schwer, im positiven wie im negativen Sinne. In Berlin und Brandenburg kommt niemand um Preußen herum. Egal, welchen Namen das gemeinsame Bundesland einmal tragen wird: Die Region bleibt doch das historische Machtzentrum jenes Staates, der in der europäischen Nationalgeschichte seit dem 18. Jahrhunderts seine einzigartigen Spuren hinterlassen hat. Geblieben sind nicht allein Schlösser und Gärten. Preußen hat Generationen von Menschen geprägt. Die bestimmenden Werte seiner Geistes- und Lebenskultur wirken fort in Mentalität und Bewusstsein hierzulande. Warum also das Kind nicht beim Namen nennen?

Zum Thema Ted: Soll ein gemeinsames Bundesland den Namen Preußen erhalten? Preußens Verdienste um die Entwicklung einer modernen Zivilgesellschaft sind unstreitig. Schon der absolutistische Staat schulte sich lange vor anderen europäischen Monarchien in Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit. Protestantischer Puritanismus paarte sich mit Liberalität, neben militärischer Strenge und amtlichem Ordnungsgeist gedieh eine Kultur der Toleranz und Weltoffenheit. Doch wer den Namen Preußens im Schilde führt, kann auch die unrühmlichen Seiten nicht beiseite kehren: Von Preußens Gloria führten die Irrwege der deutschen Geschichte zu Militarismus und Nationalismus mit allen verheerenden Folgen.

Das Bekenntnis zu Preußen fordert und fördert daher auch das Bewusstsein von seiner Ambivalenz. Den Namen Preußens mit dem neuen gemeinsamen Bundesland Berlin-Brandenburg zu erneuern heißt, das ganze Erbe anzutreten. In der Auseinandersetzung mit dieser Verantwortung könnte sich die Reife des wiedervereinten Deutschlands erweisen.

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