Problem demografischer Wandel : Die Leere managen

Wie Brandenburgs Offizielle versuchen, Wüstungen zu verhindern.

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Weniger Menschen, sich leerende Landschaften? Amtsdirektorin Katrin Lange lebt gern in der weiten Ebene um Meyenburg im Norden Brandenburgs – „hier bin ich direkt auf dem Pferd“, sagt die Hobby-Reiterin. Doch im Beruf hat sie es im Amt Meyenburg mit allen praktischen Problemen der demografischen Entwicklung zu tun. Seit acht Jahren sinken die Kinderzahlen. Kitas werden geschlossen, die Klassenstärken der Schulen liegen nur noch bei 16 bis 20 Kindern. Das hat indes auch Vorteile, meint Lange: In den Schulen des Amtsbezirks hätten die Lehrer „Zeit für jedes Kind“. Überhaupt bricht das öffentliche Leben auch in Deutschlands bevölkerungsärmsten Regionen wie hier im Landkreis Prignitz niemals völlig zusammen: Schulbusse fahren nach Plan, der Nahverkehr ist auf „Rufbusse“ umgestellt. Daseinsvorsorge heißt der Begriff, der bedeutet, dass der Staat zuständig ist für die Infrastruktur von Gegenden, in denen bloß noch zehn Menschen pro Quadratkilometer leben. „Wüstungen“ – verlassene Dörfer – werden also nicht entstehen, so lange der Staat seine Aufgaben erfüllt. Die Brandenburger Landesverfassung gibt dabei das Ziel vor: Das Land „gewährleistet“ regionale Strukturförderung, um in allen Landesteilen „gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen und zu erhalten“. Wichtig bei der konkreten Organisation des Alltags für immer weniger Menschen sei dabei, „dass man neue Wege geht“. Katrin Lange verwendet viel Energie darauf, „Schule und Wirtschaft“ zusammenzubringen – wobei mit Wirtschaft auch mittlere und kleine Betriebe gemeint sind. Junge Leute bleiben nur, wenn sie interessante Ausbildungen machen können. Der von Lange miterfundene „Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse“ ist von der Landesregierung als beispielhaft ausgezeichnet worden. wvb.

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