Berlin : Probleme bei der Datenverarbeitung: Kriminalstatistik mit kleinen Fehlern

Werner Schmidt

Morgen wird Innensenator Eckart Werthebach die Erfolge des vergangenen Jahres bei der Bekämpfung der Kriminalität vorstellen. Die gesunkene Zahl der registrierten Straftaten und die gestiegene Erfolgsquote bei der Verbrechensaufklärung haben aber einen Schönheitsfehler: Sie sind möglicherweise nicht korrekt. Dem Tagesspiegel liegen Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass aufgrund eines Computerfehlers zumindest alle von Januar bis Oktober 2000 erfassten Daten fehlerhaft sind. Die Innenverwaltung sagte gestern allerdings, die aufgetretenen Fehler seien behoben und die Statistik stimme "100-prozentig".

Danach sank die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr um über 15 500 oder 2,7 Prozent. 557 000 Taten seien registriert und 276 700 aufgeklärt worden, heißt es. Die Aufklärungsquote ist demnach gegenüber dem Vorjahr um einen zehntel Prozentpunkt auf 49,7 Prozent gestiegen.

Gesunken sind der Statistik zufolge die Straßenkriminalität wie Körperverletzung oder Diebstahl sowie die Wirtschaftskriminalität. Gestiegen sind aber die Zahl der verübten Raubüberfälle in der Öffentlichkeit ebenso wie die Taten mit politischem Hintergrund und die Vermögens- und Fälschungsdelikte. Auch die Rauschgiftkriminalität, bei der traditionell ausländische Täter in der Mehrzahl sind, verzeichnet einen Anstieg von 42,6 Prozent. Auch die Computerkriminalität hat sich ausgeweitet: Der Aufstellung zufolge wurden im Jahr 2000 insgesamt 5900 Delikte festgestellt und somit über 2000 (53,9 Prozent) mehr als im Jahr davor. Die Zahl der Morde sank von 71 auf 60 Taten (minus 15,5 Prozent). Auch die Totschlagsdelikte haben sich verringert: 128 waren es im Jahr 1999, 120 im vorigen Jahr (minus 6,3 Prozent). Die Aufklärungsquote liegt bei 85 Prozent. Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt... Die Unterlagen, die Werthebach morgen den Abgeordneten im Innenausschuss und anschließend den Journalisten präsentiert, sprechen von knapp 162 000 ermittelten Tätern. Fast 89 500 waren bereits polizeibekannt und gut 48 800 (minus 3250 oder 30,2 Prozent) ausländischer Herkunft.

Ursache des von der Innenverwaltung eingeräumten Datenfehlers war das so genannte Jahr-2000-Problem der Computer. Danach hätten Fehler beim Jahreswechsel 1999/2000 grundsätzlich bei einer Vielzahl von Computern auftreten können, da das Datum im Rechner immer nur mit den letzten beiden Stellen des aktuellen Jahres angegeben wird. Die beiden letzten Nullen des Jahres 2000 würden vom Rechner dann als das Jahr 1900 interpretiert werden, fürchteten seinerzeit Fachleute. Allerdings blieben die prophezeiten negativen Folgen dann meist aus. Auch die Polizei hatte nach Auskunft von Fachleuten in der Behörde ihre Computer mit großem technischen und finanziellen Aufwand auf den mit Sorge erwarteten Datumswechsel vorbereitet.

Umso erstaunlicher ist es, dass der unter Experten als Y2K-Problem (Year-2 Kilo-Problem) bezeichnete Fehler angeblich erst zehn Monate später entdeckt wurde: "Im Oktober 2000 wurde ein quer durch die gesamte PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) laufender Datenfehler festgestellt ...," heißt es in den internen Unterlagen. "Somit sind alle vorangegangenen Monatsläufe des Jahres 2000 fehlerhaft ... ".

Auswirkungen auf die Kriminalstatistik habe dies jedoch nicht, da die Daten bereinigt und die Fehler herausgerechnet worden seien, sagte der Sprecher von Eckart Werthebach, Hartmut Rhein gestern Nachmittag: "Die Zahlen der jetzigen PKS stimmen 100-prozentig." Gleichzeitig räumten die EDV-Spezialisten der Polizei aber ein, dass es bereits 1999 Probleme gab: Es habe wegen eines "Datencrashs" - eines Zusammenbruchs des Computersystems mit Datenverlust - im Januar 1999 keine PKS-Daten gegeben. Es habe deshalb in einer internen Aufstellung auch der statistische Vergleich zwischen den sieben Polizeidirektionen gefehlt. Erst mit Ablauf des Februars 2001 sei er wieder möglich gewesen. Dies habe allerdings keine Auswirkungen auf die Kriminalstatistik gehabt, sagte wiederum Rhein.

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