Berlin : Professor Reinhard Kurth

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Vertrauen strahlt er aus und Kompetenz. Der stattliche Mann, in dessen Händen ein großes Stück Verantwortung für das gesundheitliche Wohlergehen der Menschen in Deutschland liegt, hat in den letzten Jahren das ehrwürdige Robert Koch-Institut in Berlin „neu aufgestellt“. Eine zeitgemäße Corporate Identity hat er ihm verpasst. Außen wilhelminisch atmet der Bau innen Modernität und Effizienz. 780 Menschen arbeiten unter der Führung des Mediziners und Professors der Molekularbiologie und Biochemie für Gesundheitsschutz und Gefahrenabwehr. 50 Millionen Euro stehen dafür im Jahr zur Verfügung. „Viel zu wenig“ sei das angesichts der „Gefahren durch terroristische Bio-Waffen, durch SARS, durch eine globale Grippeepidemie“. Und jährlich werde noch um 1,5 Prozent gekürzt. Neueinstellungen seien kaum möglich. Dabei wachsen die Aufgaben: Neue Alarmpläne müssen entwickelt, die Regierung immer intensiver beraten werden.

Reinhard Kurth ist keiner, der angesichts von Schwierigkeiten verzagt. Nach einer lebensbedrohenden Krankheit vor wenigen Jahren hat er sich auch selber „neu aufgestellt“. Er hat sich offen zu der Beziehung zu einer der führenden Wissenschaftlerinnen im Hause bekannt. Heute ist sie seine Frau.

Vielleicht hat den Jungen die langwierige Tuberkulose, die er mit sieben Jahren in einem „unfreundlichen Heim“ in Cuxhaven auskurieren musste, „gehärtet“. Als Schüler schon wollte er „gerne Grenzen verschieben“. Schüchtern war er und lange Zeit klein. Erst mit 17 Jahren ist er als Austauschschüler in Amerika noch 20 Zentimeter gewachsen! An seinen „Eltern“ drüben hängt er heute noch sehr. Sein eigentlicher Vater stammte aus einer Kaufmannsfamilie aus Schlesien. Papiergroßhandel war das Metier. In Dresden haben sie in der fürchterlichen Bombennacht alles verloren. 1957 zog man von Hamburg nach Nürnberg. Nach dem Abitur startete das Philosophie- und Medizinstudium „vor der Tür“ in Erlangen. Praktika in Kamerun und ein DAAD-Stipendium in Caen zeigen die produktive Unruhe. Staatsexamen und Promotion fanden wieder in Deutschland statt, ergänzt um die amerikanische Abschlussprüfung in Philadelphia. Es folgten das Max-Planck-Institut für Virusforschung in Tübingen, das Robert-Koch-Institut in Berlin und das Krebsforschungs-Institut in London; 1976 dann die Habilitation in Tübingen. Dann kam die Mitarbeit und spätere Leitung des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen und seit 1996 – zunächst kommissarisch – die große herausfordernde Aufgabe in Berlin. „Gut 70 Stunden pro Woche“ arbeitet der Mann. Ein Grund: Auch „Kommissar“ ist er nun wieder. Auf Bitten der Regierung stellt er die Deutsche Arzneimittelagentur (DAMA) in Bonn „nach 25 Jahren Siechtum“ neu auf, trimmt sie auf Effizienz und Marktorientierung. Für seine Frau und die erwachsenen Kinder bleibt da nicht sehr viel Zeit, ebenso wenig wie für das neue Haus im Grünen, in Klein Machnow.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Reinhard Kurth , geboren 1942, ist Präsident des Robert-Koch- Instituts in Berlin. Er lehrt an der Humboldt-Universität und an den Universitäten Tübingen und Frankfurt am Main.

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