Berlin : Professorin mit Sex, Biss und Instinkt

Von Jette Joop können Design-Studenten fürs Leben lernen

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So sieht die Professorin der Zukunft aus: lange blonde Haare, ModelFigur, knapp sitzender Hosenanzug. Alles reich verziert mit einem gnadenlosen Instinkt für Marketing. Seit Mai letzten Jahres jobbt die Designerin Jette Joop an der Universität Essen/Duisburg. Als sie im Atrium der Deutschen Bank vors Mikro trat, hatten ihre Studenten bereits einen vierstündigen PR-Marathon hinter sich. Mit zwei Themenbereichen hatten sie sich beschäftigt: dem modernen Bad und dem Flüchtlingslager der Zukunft.

Dass ihre Mühen nicht in irgendwelchen Hochschulschubladen verschwinden, dafür war die Wahl dieser Professorin eine Garantie. Anna Kurzewitsch hat den Waschbaum entworfen, eine Art Säule, an der Waschbecken und Spiegel in verschiedenen Höhen befestigt sind. Die Russin hat sich dem Anlass entsprechend fein gemacht, trägt ein fast schulterfreies Trägerkleid im längs gestreiften Buntstiftdesign. Ob ihr Entwurf mal in die Produktion geht? Noch hat sie keinen konkreten Abnehmer, hat ihn aber schon vielen Interessenten erläutert. Blickfang ist auch eine Dusche, die je nach Tagesform ihres Nutzers neben dem Wasserstrahl auch noch die notwendigen Pflegeprodukte individuell zu dosieren weiß. Und das funktioniert? „Aber natürlich!“ sagt Jette Joop mit dem ganzen Selbstvertrauen einer Frau, die hauptberuflich Millionenumsätze macht. Das größte Interesse findet natürlich das Flüchtlingszelt, das in der Mitte des Raumes aufgebaut ist. Soscha Gräfin zu Eulenburg vom Roten Kreuz lobt die Feuerschutzmaßnahmen, denn Zeltbrände sind eines der größten Probleme in Flüchtlingslagern. Ein Stück weiter ist die 25-jährige Kerstin Hils begierig den extraleichten mobilen OP-Tisch zu erläutern, von dem bereits feststeht, dass er produziert wird. DRK-Präsident Rudolf Seiters hebt ihn in seiner Rede als „große Hilfe“ hervor. Anschließend gibt Jette Joop ihr Statement ab. Es gehe ihr „um Lösungen von Menschen für Menschen“. Das Gütesiegel „Made in Germany“ sei in den letzten Jahren in den Hintergrund gerückt: „Ich möchte dazu beitragen, das zu ändern.“

Wenn so die Politikerin der Zukunft aussähe, müsste zuerst wohl der Kleinmut ins Flüchtlingslager. Bi

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