Prognose : 2015 droht Wohnungsnot in ganz Berlin

Bis zum Jahr 2015 wird es rund 50.000 mehr Haushalte in Berlin geben, jährlich werden aber nur 3500 neue Wohnungen gebaut. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen fordert deshalb die Bereitstellung von landeseigenem Bauland.

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In zwei, spätestens vier Jahren wird es fast genauso viele Haushalte in Berlin geben wie Wohnungen. Dann herrscht wieder Wohnungsnot. Das hat das Hamburger Forschungsinstitut Gewos für den Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) ermittelt. Und weil bei den Firmen, die im Verband organisiert sind, schon heute in Stadtteilen wie Wilmersdorf nur noch 1,6 Prozent der Wohnungen keine Mieter haben, fordert der BBU den Senat dazu auf, den Wohnungsbau anzukurbeln.

BBU-Verbandschefin Maren Kern warf der SPD vor, zu „wenig Fantasie“ zu entwickeln und kritisierte die Vorschläge vom Parteitag am Wochenende. Wie berichtet, will die SPD die Wohnungen der zum Verkauf stehenden Berliner Immobilien-Holding in Landeseigentum behalten. Außerdem sollen die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen ihre Mieten nur noch begrenzt erhöhen dürfen. „Das würde den Spielraum für Modernisierungen einschränken“, sagte Kern.

Eine Wohnungsnot droht laut BBU deshalb, weil es bis zum Jahr 2015 rund 50 000 mehr Haushalte geben wird, jährlich aber nur 3500 neue Wohnungen gebaut werden. „Mindestens doppelt so viele Neubauten bräuchten wir“, sagte Maren Kern. Sie fordert deshalb die Bereitstellung von landeseigenem Bauland zu günstigen Preisen. Bisher bediene der Senat beim Verkauf von Landeseigentum nur die Nachfrage nach hochwertigen Immobilien: am Humboldthafen oder am Rand des Tempelhofer Feldes. Mangel bestehe aber an günstigem Wohnraum.

Der Anstieg der Mieten im vergangenen Jahr macht deutlich, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt wächst: Die Auswertung von 800 000 Verträgen von BBU-Mitgliedern ergab ein Plus von 1,9 Prozent auf 4,79 Euro je Quadratmeter und Monat. Damit stiegen die Mieten doppelt so schnell wie die Verbraucherpreise. Kleiner Trost: Im Vorjahr lag das Plus mit 2,8 Prozent noch höher

Wer allerdings umziehen muss, der bekommt den ganzen Druck des Marktes zu spüren: Die „Neuvertragsmiete“, die beim Einzug in eine neue Wohnung von BBU-Mitgliedern fällig wird, liegt bei 5,26 Euro je Quadratmeter und Monat. Das sind rund neun Prozent mehr als der Durchschnittswert im Mietspiegel.

Dabei nutzen viele BBU-Mitglieder nicht einmal den ganzen Spielraum des Marktes aus; dies gilt für die Genossenschaften und die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Auf dem freien Markt liegen die Durchschnittsmieten in Berlin noch höher: 7,20 Euro hatten die im Immobilienverband Deutschland organisierten Makler zuletzt genannt, und den Anstieg der Mieten in guten Lagen mit drei Prozent im Jahr beziffert.

Auch der neue Marktbericht des IVDs belegt Spitzenmieten von über zehn Euro in Pankow und Mitte (beide 11,10 Euro), in Charlottenburg-Wilmersdorf (10,50 Euro) und sogar in Lichtenberg (10,61 Euro). Überraschend ist der starke Anstieg der Durchschnittsmieten in Tempelhof-Schöneberg (plus 3,06 Prozent), der sogar noch über dem Plus in Charlottenburg-Wilmersdorf lag. Beim BBU wird das mit der Sanierung von Altbauten erklärt, für die anschließend mehr Miete verlangt werden kann. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem im Ostteil der Stadt saniert wurde, verlagert sich der sanierungsbedingte Druck auf die Mieten nun auf den Westen der Stadt.

Die höchsten Monatsmieten pro Quadratmeter im Berliner Wohnungsbestand des BBU wurden 2009 in Charlottenburg-Wilmersdorf (5,24 Euro), Steglitz-Zehlendorf (5,07 Euro) und Friedrichshain-Kreuzberg (5,05 Euro) gezahlt. Lichtenberg folgt mit 5,02 Euro, womit man in dem Bezirk sogar noch teurer als in Mitte (4,90 Euro) wohnt. Der Spitzenwert in Lichtenberg erklärte Kern mit dem „sehr hohen Modernisierungsstand“. Am günstigsten sind die Mieten in Marzahn-Hellersdorf (4,46 Euro) und Reinickendorf (4,53 Euro).

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