Berlin : Prognose: SPD verliert fast alle Wahlkreise in Berlin

Laut einer Studie von „election.de“ holt die PDS drei Bundestags-Mandate. Gute Aussichten für Ströbele in Kreuzberg und Diepgen in Neukölln

Ulrich Zawatka-Gerlach

Bei der Bundestagswahl am 18. September hat die PDS gute Chancen, in Berlin drei Wahlkreise zu erobern. Dann könnten die Sozialisten, auch wenn sie bundesweit an der Fünfprozenthürde scheitern, in den Bundestag einziehen. Außerdem werden der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und der Ex-Spitzenkandidat der Union, Frank Steffel, sehr wahrscheinlich ein Direktmandat holen.

Dies geht aus einer Prognose des Wahlinformationsdienstes „election.de“ für den Tagesspiegel hervor. Danach kann die PDS nicht nur ihre Hochburgen Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg souverän verteidigen, sondern auch Treptow-Köpenick erobern. Dort tritt Gregor Gysi an. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Siegfried Scheffler, der den Wahlkreis seit 1998 hält, wäre der Verlierer. Die CDU wiederum kann darauf hoffen, alle sechs Wahlkreise im Westen Berlins zu erobern, die bei der letzten Bundestagswahl an die SPD verloren gingen. Davon profitierten auch die prominenten CDU-Kandidaten Diepgen in Neukölln und Steffel in Reinickendorf.

Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ditmar Staffelt (SPD), der gegen Diepgen antritt, wäre demnach chancenlos. Das gilt auch für den SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter, der gegen den christdemokratischen Rechtsanwalt Karl-Georg Wellmann antritt. Die Sozialdemokraten können in den zwölf Berliner Wahlkreisen nur auf den Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse in Pankow und auf den finanzpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Jörg-Otto Spiller bauen.

Der Grünen-Politiker Christian Ströbele scheint in Friedrichshain-Kreuzberg unschlagbar zu sein. Die Prognose sieht den 66-jährigen Bundestagsabgeordneten vorn. Die Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer und der Bundeschef der türkischen Sozialdemokraten (HDF), Ahmet Iyidirli, kämpfen Kopf an Kopf um den zweiten Platz. Auch wenn die Grünen ansonsten keine Chance auf ein Direktmandat haben: Die Wahlforscher sagen der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Renate Künast, in Tempelhof-Schöneberg mit 20 Prozent ein respektables Ergebnis voraus.

Die FDP wird kein Direktmandat gewinnen können. Nach Einschätzung der Wahlforscher kommt nur der FDP-Landeschef Markus Löning – als Spitzenkandidat auf der Landesliste – in den Bundestag. Das Landesergebnis der Bundestagswahl sehen die Forscher nämlich so: CDU 34 Prozent (2002: 25,9), SPD 27 Prozent (36,6), Grüne 14 Prozent (14,6), PDS 13 Prozent (11,4), FDP 6 Prozent (6,6). Daraus errechnet sich die Zahl der Sitze, die den Berliner Landesverbänden zustehen. Wer im Wahlkreis siegt, zieht in jedem Fall in den Bundestag ein. Die restlichen Mandate werden über die Landeslisten vergeben.

Die Berliner CDU kann insgesamt mit acht Sitzen im neuen Bundestag rechnen. Das wären zwei mehr als jetzt. Die Sozialdemokraten kämen auf sieben Mandate; sie würden also zwei verlieren. Die Grünen müssten sich mit drei (statt vier) und die FDP mit einem (statt zwei) Bundestagsabgeordneten begnügen. Die Berliner PDS wäre, neben den Christdemokraten, mit drei Mandaten auch ein Gewinner der vorgezogenen Bundestagswahl.

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