Projekt "Legal Leben" : Ex-Häftlinge arbeiten als Dozenten

Knasterfahrung ist cool. Das denken zumindest viele Jugendliche aus Zuwandererfamilien in Berliner Problemvierteln. Um diese Knastromantik aus den Köpfen der Jüngeren zu bekommen, unterstützt der Senat ein bislang einzigartiges Projekt.

Ferda Ataman

Berlinn „Legal Leben“ erzählen Jugendliche mit Hafterfahrung 11 bis 13 Jahre alten Schülern in Workshops, wie es ist, im Gefängnis zu sitzen. „Dadurch lernen die Ex-Häftlinge nebenbei, wie es sich anfühlt, ihr Geld ehrlich zu verdienen“, sagt Projektleiter Semih Kneip von „Gangway“, einem Verein für Straßensozialarbeit. Neun Euro pro Stunde bekommen die „Dozenten“ für ihren Vortrag aus dem realen Gefängnisalltag.

Das Projekt, das vom Türkischen Bund unterstützt wird, soll einerseits präventiv wirken. Andererseits widmet es sich auch der Resozialisation von jungen Kriminellen mit Migrationshintergrund. „Legal leben heißt vor allem, sich legal Anerkennung verschaffen“, sagt Kneip. Jugendliche können nach ihrer Entlassung in regelmäßigen Treffen Hilfe finden, um den Weg in ein geregeltes Leben zu finden. „Manche wissen nach einer langen Haft gar nicht mehr, wie sie mit der BVG von Tiergarten nach Wedding kommen.“ Das Projekt, das bis September 2009 bewilligt ist, bietet Rechts- und Schuldenberatung sowie Hilfe bei der Wohnungs- und Jobsuche. Dabei suchen die Projektleiter noch weitere Unternehmen, die bereit sind, sich auf ein Vorstellungsgespräch mit einem ehemaligen Sträfling einzulassen.

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