Berlin : PROJEKT SÜDPANKE

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DIE PANKE KOMMT ANS TAGESLICHT

In der Eiszeit war die Panke ein wild dahinströmender Gletscherbach, daher ihr Name: Das wendische „Pankowe“ bedeutet „ein Fluss mit Strudeln“. Davon ist an der Mündung am Schiffbauerdamm nichts mehr zu spüren. Aus dem quadratischen Loch in der Uferwand der Spree fließt zur Zeit, um es vorwegzunehmen, gar nichts. Schon seit dem 18. Jahrhundert war die so genannte Südpanke zwischen Schulzendorfer Straße und Spree nur noch ein eher kleines Bächlein. Damals baute man die künstliche Verbindung des Flusses zum BerlinSpandauer-Schifffahrtskanal. Seit 1961 war die Südpanke dann gänzlich vom oberen Flusslauf abgeklemmt: Die DDR ließ ab der Chausseestraße keinen Tropfen Wasser mehr durch – Fluchtgefahr. 80 Prozent der Südpanke verliefen ohnehin unterirdisch in Rohren, seit der schmutzige Fluss im 19. Jahrhundert zu einer Gefahr für die Volksgesundheit geworden war.

Und während im Wedding in den fünfziger Jahren die Industrie abzog und mit Geldern aus dem Marshallplan der preisgekrönte Pankegrünzug entstand, eine kilometerlange Promenade, sah es in Mitte so aus, als würde das Rinnsal für immer verschwinden. Doch seit Berlin wieder eins ist, planen der Senat für Stadtentwicklung und die Gesellschaft Grün Berlin (hervorgegangen aus der Gesellschaft der Bundesgartenschau), den Pankegrünzug bis zur Mündung am Schiffbauerdamm zu verlängern. Ein mühsames Unterfangen, für das heute weniger Geld zur Verfügung steht als zu Marshallplan-Zeiten. Zumindest ist die Südpanke seit 1999 wieder an den Flusslauf angeschlossen – für die ständigen Bauarbeiten in Mitte ist das Wehr an der Schulzendorfer Straße noch eine Weile lang gesperrt. Ein paar Meter Südpanke sind auch schon wieder ans Tageslicht geholt. Irgendwann soll man von der Friedrichstraße bis zur Quelle nach Bernau wandern können, immer am Fluss entlang. Die Vision zumindest ist wunderschön. kiw

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