Berlin : Promi-Gedränge

Andreas Conrad

Manchmal kommt es ganz, ganz dicke: Quoyle, 36, Journalist, hat so eben Job (Kündigung), Eltern (Selbstmord), die einzigen Freunde (Umzug), die Frau (Liebhaber) und fast auch die Kinder (Pornofilmer) verloren. New York tut gar nicht gut, der Umzug nach Neufundland ist allzu verständlich. Ein Zuckerschlecken ist das Leben freilich auch dort nicht: die Gegend unwirtlich, das Haus marode, die Kinder können sich nicht recht eingewöhnen, und dann soll er, der das Meer gar nicht liebt, für die lokale Zeitung ausgerechnet die Berichte über ein- und auslaufende Schiffe verfassen.

Nein, Quoyles Leben hat nur wenig Schokoladenseiten zu bieten - mag sein, dass Lasse Hallström nach "Chocolat" davon erst mal genug hatte. Im letzten Jahr hatte er Juliette Binoche zur Berlinale mitgebracht, diesmal wird es neben Kevin Spacey, dem Hauptdarsteller in der Romanverfilmung "Schiffsmeldungen", sogar eine Dame von Adel sein: Judi Dench. Viel Zeit habe sie nicht, außer auf der Pressekonferenz werde man ihr kaum begegnen können, heißt es beim Verleih schon vorbeugend: Judi Dench spielt momentan in London Theater, und dann sind da ja auch noch ihre aktuellen Verpflichtungen als M, Chefin eines gewissen Bond, James Bond.

Einige weitere Namen von voraussichtlichen Gästen des am 6. Februar startenden Filmfestivals sind in den letzten beiden Wochen durchgesickert und ergänzen die Besucherliste viel versprechend. Auf ihr finden sich bereits Aktricen wie Cate Blanchett (sowohl in Tom Tykwers "Heaven" wie in "Schiffsmeldungen" dabei), Schauspieler wie Harvey Keitel und Russel Crowe, Regisseure und Produzenten wie Constantin Costa-Gavras, Anthony Minghella und Sidney Pollack oder Musiker wie Wolfgang Niedecken samt BAP.

Stammgast Robert Altman ("Gosford Park") wird voraussichtlich von Kristin Scott-Thomas, der schönen Geliebten des "Englischen Patienten", begleitet. Sein junger Kollege Wes Anderson ("The Royal Tenenbaums") hat Anjelica Huston, Owen Wilson, eventuell sogar Gene Hackman zu bieten. Aus dem Fernen Osten bringt Zhang Yimou ("Happy Time") die beiden Hauptdarsteller Zhao Ben-shan und Dong Jie mit, aus der Produzentenriege seines Film stoßen aus China Wan Wei und aus den USA Edward R. Pressman ("Conan der Barbar", "Talk Radio", "Blue Steel", "Wallstreet") dazu.

Ganz ohne Stars muss jedoch "Nomaden der Lüfte" auskommen, vielleicht sind immerhin ein paar Stare dabei. 44 Zugvogelarten in 25 Ländern hat Regisseur Jacques Perrin bei ihren Reisen begleitet. Tiere haben es ihm angetan: Mitte der 90er Jahre war er Produzent und Sprecher bei "Mikrokosmos", einem filmischen Ausflug in die Welt der Insekten.

Doch vorbei sind die Zeiten, in denen es nur zur Berlinale Promi-Gedränge gab. Unmittelbar vor dem Festivalstart ist Ridley Scott für drei Tage in der Stadt, um hier mit Produzent Jerry Bruckheimer "Black Hawk Down", seine Version des amerikanischen Somalia-Desasters, vorzustellen. Bruckheimer war erst im vergangenen Jahr mit "Pearl Harbour" in Berlin. Und auch Scott Hicks ("Shine") kommt vorbei und trommelt für seinen neuen Film "Hearts in Atlantis".

Jerry und Ridley, die beiden Leinwandkrieger, werden sich mit einen anderen Filmpaar aus Amerika die Klinke in die Hand geben, die auch nichts mit der Berlinale zu tun haben, aber hochwillkommen sind: Meg Ryan & Hug Jackman alias "Kate & Leopold". Es geht gewiss um Liebe.

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