Berlin : Prosecco, pfui

Bernd Matthies

Ach, der üble Kommerz! Hat den Fußball komplett versaut. Früher: Elf Freunde, die sich selbst die Töppen zuschnürten und bis zur Schulter im Schlamm wühlten, und hinterher gab der Kassenwart ein Pils aus, aber nur im Siegesfall. Heute: Ferrari, Prosecco, Vip-Tribünen, pfui.

Höchste Zeit, dass da mal jemand gegen angeht, und zwar am 9. Juli, wenn das Finale im Olympiastadion läuft. Ein Fan mit prophetischer Gabe hat schon 2001 eine Demonstration in der Innenstadt angemeldet, und seine Gefolgschaft schätzt er auf eine fünfstellige Größenordnung. Ist auch ein Elend: Während die Profis Millionen verdienen, sagt er, „müssen die Eltern im Jugendfußball noch die Bälle kaufen“. Das ist zwar im Tennis oder Golf auch nicht anders, aber Fußball ist eben, ja, Fußball.

Nun wüssten wir alle gern, was daraus wird. Ein Verkehrschaos? Oder nur ein paar Eiferer, die im Menschengewühl des Endspiels spurlos verschwinden? Das Beste ist vermutlich, Berlin verschafft dem aufrechten Demonstranten eine Eintrittskarte zum Endspiel. Dann ist der ganze Spuk vorüber, bevor er richtig beginnen kann.

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