Berlin : Prost, Kanzler!

Gegenüber der Regierungszentrale, am anderen Ufer der Spree, entsteht mit dem „Haus Menardie“ ein Biergarten. Auch Gerhard Schröder ist zur Eröffnung eingeladen

Christian van Lessen

Kaum ein Berliner dürfte die Gegend genau kennen, die mitten in der Stadt ist und ganz nah am politischen Zentrum des Landes. Ihr Dornröschenschlaf ist fast vorbei. Wer will, kann dem Kanzler bald zuprosten: „Haus Menardie“ heißt ein Biergarten, der bis Ende nächster Woche direkt am Bundeskanzleramt auf der anderen Seite der Spree fertiggestellt sein soll. Auch Gerhard Schröder ist zur Eröffnung eingeladen.

Noch bekommt die Freiluftschänke ihren letzten Schliff. Das Restaurant im Inneren soll im Spätsommer fertig sein. An der neuen Uferpromenade werden bis zu 700 Leute unter einer 140 Jahre alten Kastanie Platz finden. Kernstück des großen Gartens, von der Straße Alt Moabit in Höhe der Moltkebrücke zu erreichen, ist das Casino des ehemaligen Zollpackhofs, das für rund eine Million Euro von privaten Investoren saniert worden ist. Das Restaurant mit mediterrraner Küche soll Platz für 200 Gäste haben.

„Menardie eröffnet Kastaniengarten“ steht auf einem Schild an der Moltkebrücke. Es lenkt schon jetzt die Aufmerksamkeit von Passanten auf ein Gebiet, das trotz seiner prominenten Lage fast ausgestorben wirkt. Es ist über ein kleine Zufahrt zu erreichen, grenzt an Spree und Kanzlergarten, und soll sogar ausreichend Parkplätze bieten. Gegenüber, wo einst der Zollpackhof stand, wird gerade um das alte Gemäuer herum die Feuerwache für das Parlaments- und Regierungsviertel gebaut. Der Schweizer Software-Entwickler Martin Hobler und seine Partner, der Architekt und Hotelfachmann Björn Conerdings sowie der Musikmanager Nader Korayein wollen das bislang unbeachtete Gelände beleben. Vom Bund haben sie das Areal mit der bemerkenswerten Kastanie gepachtet. Das lange leer stehende Casino sollte wieder zu einem Schmuckstück werden, das Grün ringsum schien ideal für einen Biergarten.

Nach einem passenden Namen haben sie lange gesucht, einen „Kunstbegriff“ wollten sie vermeiden. Beim Aktenstudium der langen Geschichte des Grundstücks fanden sie heraus, dass 1717 ein Hugenotte namens Menardie vom König das Gelände erhalten hatte. Mit der Vorgabe, daraus einen kleinen Vergnügungspark zu machen. Menardie tat sein Bestes und aus den alten Papieren ist zu ersehen, dass hier immerhin ein „Lusthäuschen“ gestanden hat. Menardie schien nun auch der passende Name für eine neue Zukunft des Geländes.

Nun steht nach langen Jahren der Brache, die gern als Baustellenzufahrt für das Kanzleramt und seinen Garten genutzt wurde, die Biergarten-Ära bevor. „Wir möchten, dass in der Gegend was passiert“, sagt Hobler, und der Garten soll das Polit-Viertel am Spreebogen beleben. Draußen soll eine „frische, einfache Küche“ geboten werden, Selbstbedienung ist nicht vorgesehen. Haus und Garten sollen auch für Kulturelles offen sein.

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