Berlin : Prost Weihnachten!

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David Ensikat erklärt, warum

das Fest so lang und billig wird.

Dies Fest wird das Fest der Dose, nie wieder wird es so viele Getränkedosen geben wie heute. Der abgebrochene Fingernagel nach dem misslungenen Versuch, die Öffnungsöse hochzunesteln, das Pfzzzzzsch nach dem erfolgreichen Versuch, die Öffnungsöse hochzunesteln, der Scheppern der Büchse auf dem Asphalt, nachdem der Rowdy das leere Ding nicht der grüngepunkteten Verwertungskette zugeführt hat – all das wird sich ja künftig kaum noch jemand leisten. Die einen, die mit dem Laden um die Ecke, der Dosen mit Pfand verkauft und sie für Pfand wieder zurücknimmt, müssen zunächst nicht nur den Pfand bezahlen, sie müssen auch den Kassenbon aufheben, da sie nur mit diesem ihre Büchse wieder loswerden. Ein paar Mal werden sie den Bon verlieren, dann geben sie es auf. Dann pfeifen sie auf das weiße Blech und kaufen nur noch grünes Glas. Die anderen (das werden ziemlich viele sein) werden gar keine Dosen mehr kaufen können, weil sie keinen Laden um die Ecke haben, in dem’s noch Dosen gibt, weil den Läden das zu blöd ist mit der Dosensammelei.

So können wir es gut verstehen, wenn die Leute in diesen vorfestlichen Tagen die Geschenkkauferei völlig aus den Augen verlieren und nur noch durch die Stadt ziehen, um die letzten Paletten verbilligten Blechgesöffs zu ergattern. An Heiligabend sitzen die Familien dann beisammen, ein wenig beengt vielleicht, weil die Büchsen die Bude ausfüllen, sie werden anstoßen mit HansaPils – klack, klack, Mensch, Prosti, so billig feiern wir nie wieder –, dann trinken sie und trinken sie und trinken sie, ist ja genug da, hat ja nix gekostet, und werden erst wieder wach, wenn’s das Dosenpfand gibt und kaum noch Dosen. Frohe Weihnachten und Prost auch! Haut wech, den Mist!

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