Berlin : Protest an der Invalidenstraße

Anwohner kämpfen gegen Ausbau als Teil des neuen Innenstadtrings. Umgestaltung bringt Probleme für Fußgänger, Radfahrer und die Straßenbahn

Klaus Kurpjuweit

Für die Anwohner ist es eine „Mogelpackung“, für die Planer dagegen völlig normal – der Bau der Verbindung von der Bernauer zur Invalidenstraße und der Ausbau der vorhandenen Straßen zum so genannten Innenstadtring. Ein Planfeststellungsverfahren für den Umbau der Invalidenstraße, wie es Anwohner fordern, hält der Senat für überflüssig. Aufgeführt sind die Änderungen deshalb nur im Planfeststellungsverfahren für den Bau der Straßenbahngleise zum Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof. Die Invalidenstraße werde so „unter dem Deckmantel eines Straßenbahnbaus erweitert und hinter unserem Rücken zur vierspurigen Hauptverkehrsstraße ausgebaut“, moniert eine Bürgerinitiative. Bei der Information der Anwohner sei nicht alles optimal verlaufen, gibt die Stadtentwicklungsverwaltung zu.

Der Umbau der Bernauer und der Invalidenstraße für den so genannten Innenstadtring erfolge im Zusammenhang mit der Straßenbahnneubaustrecke, bestätigte Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling. Für den Bau der Tramgleise seien Anpassungen der Fahrbahnquerschnitte erforderlich. Stellenweise werden auch Gehwege schmaler. Radstreifen oder -wege sind auch nicht überall vorgesehen.

Auf dem Straßenzug soll es jeweils pro Richtung eine Fahrspur für den Autoverkehr sowie eine Mischspur für Autos und die Straßenbahn geben. In der Bernauer Straße wird dabei die Linksabbiegespur zwischen den Gleisen angeordnet. Abbiegende Autofahrer müssen sich dann zwischen die Straßenbahnen zwängen.

Die neu zu bauende Verbindungsstraße zwischen der Bernauer und der Invalidenstraße über das Gelände des Nordbahnhofs erhält zwei Spuren je Richtung für den Autoverkehr. Auch bei diesem Neubau will der Senat auf ein aufwändiges Planfeststellungsverfahren verzichten und sich mit einem Bebauungsplan des Bezirks begnügen. Dies sei nach dem Straßengesetz möglich, so Krautzberger. Die Straßen werden bereits gebaut. Die so genannten Planstraßen erschließen den Neubau für die Bahn AG und werden vorläufig nur provisorisch an das bestehende Straßennetz angebunden, so Krautzberger. Vor dem Ausbau der Knotenpunkte an der Garten- und der Invalidenstraße werde es aber noch eine öffentliche Bürgerbeteiligung geben, kündigte Krautzberger an.

Der Bau des neuen Knotens an der Invalidenstraße bedeute das Aus für sein Hotel an dieser Stelle, befürchtet Carl Loyal. Der Lärm sei seinen Gästen im Honigmond Garden Hotel dann nicht mehr zuzumuten. Das kleine Haus mit dem großen Garten wurde mehrfach ausgezeichnet.

Wie sich der zusätzliche Verkehr auf dem Innenstadtring auf die Lärm- und Schadstoffbelastung auswirkt, lässt die Stadtentwicklungsverwaltung derzeit prüfen. Knapp 30 000 Autos sollen nach den Prognosen im Jahr 2015 auf diesem Abschnitt des Innenstadtrings pro Tag fahren – fast doppelt so viel wie heute.

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