Berlin : Protest außer Hörweite

Bendlerblock wird zum Gelöbnis am 20. Juli weiträumig abgesperrt

Barbara Junge

Das Gelöbnis zum Gedenken an das gescheiterte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird am Sonntag von – voraussichtlich lautstarken – Protesten begleitet werden. Die „Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär“ hat gemeinsam mit anderen linken Gruppen eine Demonstration gegen die öffentliche Veranstaltungt organisiert. Zum Schutz des Gelöbnisses im Hof des Bendlerblocks hat die Polizei die umliegenden Straßen deshalb schon zum Sondernutzungsgebiet erklärt und wird die Gegend am Wochenende hermetisch abriegeln. Dort werden jegliche Demonstrationen und jeglicher Lärm, der das Gelöbnis mit seinen rund 2000 Teilnehmern, Familienangehörigen und Gästen stören könnte, unterbunden. Die Einlasskontrolle soll sehr rigide gehandhabt werden – um etwa ungebetene nackte Besucher, wie sie im Juli 1999 über den Hof des Bendlerblockes gerannt waren, abzuhalten.

Auch die Bewachung der Britischen Botschaft an der Wilhelmstraße in Mitte muss am Sonntag deutlich erhöht werden. Denn auf ihrem Weg von der Julius-Leber-Kaserne in Reinickendorf zum Bendlerblock in Tiergarten fahren die Kolonnen der Gelöbnisteilnehmer auch an der Botschaft vorbei. Und da die Botschaft seit dem Irak-Krieg immer wieder Ziel von Protesten war, gilt sie als kritischer Punkt der Fahrtroute. Etwa tausend Beamte sollen – zusätzlich zu zwei Feldjägerkompanien der Bundeswehr – die gesamte Veranstaltung schützen.

Die Demonstrationsveranstalter haben etwa fünfhundert Protestteilnehmer bei der Polizei angekündigt. Der Zug, der vom Pariser Platz über den Potsdamer Platz bis zur Ecke Hildebrandstraße am Reichpietschufer ziehen wird, bleibt jedoch nach den Auflagen der Polizei außerhalb der Hörweite des Gelöbnisses. Der Beschallung des Gelöbnisses durch Proteste galt in den vergangenen Jahren immer wieder der Hauptehrgeiz der Gegner. Über die selbe Route geht es dann wieder zurück zum Brandenburger Tor.

Dort treffen die Gelöbnisgegner etwa gegen 17 Uhr mit Globalisierungskritikern zu einer gemeinsamen Kundgebung zusammen. Am zweiten Jahrestag des Todes von Carlo Guiliani, dem Demonstranten, der 2001 bei Anti-Globalisierungsprotesten in Genua von Polizisten getötet worden war, haben diverse linke Gruppen eine Demonstration von der italienischen Botschaft (nahe dem Bendlerblock) zum Brandenburger Tor angemeldet. Die Route sollte eigentlich ebenfalls dichter am Bendlerblock vorbeiführen, wurde jedoch von der Versammlungsbehörde nach Süden in die Lützowstraße verlegt.

Polizeieinsatzleiter Harald Kussak rechnet für Sonntag nicht mit gewalttätigen Ausschreitungen. Bei keiner der Demonstrationen. Störaktionen jedoch kalkuliert die Polizei nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre auf jeden Fall ein. Zum Schutz der Gelöbnisteilnehmer muss auch deshalb zwischen Reinickendorf und Tiergarten mit verschiedenen weiteren, allerdings immer kurzfristigen Straßensperrungen gerechnet werden.

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