Protest gegen Fluglärm : Heute 300. Demo gegen den BER

Jede Woche protestieren Bürger in Friedrichshagen gegen den Flughafen BER - am Montag versammeln sie sich zum 300. Mal.

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Eine Teilnehmerin einer Demonstration gegen die geplante Flugrouten für den Flughafen Berlin Brandenburg.
Eine Teilnehmerin einer Demonstration gegen die geplante Flugrouten für den Flughafen Berlin Brandenburg.Foto: Jörg Carstensen dpa/lbn

Es kann stürmen, es kann schneien, es kann brüllend heiß sein oder in Strömen regnen. Auf die Demonstranten in Friedrichshagen ist Verlass; kein Wetter schreckt sie ab. Montag für Montag. Pünktlich um 19 Uhr stehen sie auf dem Markplatz und protestieren gegen die Folgen, die ein Großflughafen BER mit sich bringen wird, wenn er dereinst einmal in Betrieb sein wird. Längst sind sie überregional aus dem Blickfeld geraten. Aber am heutigen Montag werden wieder die Menschen zusammenkommen, um zu demonstrieren. Zum inzwischen 300. Mal. Man kann sicher sein, dass sie auch künftig in ihrem Protest nicht nachlassen werden.

Am 4. Juli 2011 war es das erste Mal, dass Anwohner abends auf dem Marktplatz in Friedrichshagen beim Denkmal vom Alten Fritz zusammenkamen. Der Protest war spontan. Am Mittag waren neue Flugrouten bekannt geworden. Geplant war, so hieß es damals, dass die auf der Nordbahn startenden Maschinen bei Ostwind in etwa 1000 Metern Höhe über den Müggelsee fliegen sollten. Vorher war von dieser Routenvariante nie die Rede. Die Friedrichshagener wurden kalt erwischt. Sie hatten sich bis dahin in Sicherheit wiegen können, vom Fluglärm verschont zu bleiben. Jetzt waren sie alarmiert. Denn es war klar, es würde dort laut werden.

Ob Sommer oder Winter. Immer wieder montags wird im Zentrum von Friedrichshagen gegen den Flughafen demonstriert.
Ob Sommer oder Winter. Immer wieder montags wird im Zentrum von Friedrichshagen gegen den Flughafen demonstriert.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Und die Friedrichshagener waren entschlossen, ihren Protest dauerhaft deutlich zu machen. Er hatte auch schnell einen Namen – Montagsdemonstration. Der Begriff hatte sich in der DDR-Bürgerrechtsbewegung etabliert, als die Bürger in der Endphase der DDR immer an diesem Tag der Woche auf die Straße gegangen waren. Dass sich der Flughafenprotest über beinahe sechs Jahre erstrecken würde und ein Ende nicht in Sicht ist, hätten damals wohl nur die wenigsten gedacht.

Nicht ein einziges Mal ist die Demo ausgefallen

Ursprünglich sollte der BER im Juni 2012 eröffnet werden, bis dieser Termin für die Öffentlichkeit völlig überraschend drei Wochen vorher wegen nicht lösbarer Brandschutzprobleme im Terminal abgesagt wurde. Seitdem wurde eine Inbetriebnahme mehrmals verschoben. Der letzte genannte Termin war Ende dieses Jahres; aber auch dieser wurde im Januar als nicht zu halten abgesagt. Inzwischen gibt es gar kein Datum mehr. Manche Experten halten sogar eine Eröffnung im kommenden Jahr für mehr als fraglich.

Sebastian Fasbender hat rund 150 Demonstrationen mitgemacht. In den ersten Jahren gehörte er zu den Organisatoren der Protestveranstaltung. Nicht ein einziges Mal sei die Demo ausgefallen, sagt Fasbender. Selbst wenn ein Weihnachtstag auf einen Montag fiel, seien Menschen gekommen. In der Anfangszeit waren die Teilnehmerzahlen oft vierstellig, beteiligten sich auch Prominente.

Jetzt hat der Protest eher den Charakter einer Mahnwache

Bei der vierten Demonstration etwa forderte der Regisseur Leander Haußmann, den damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf, „seinen Arsch endlich nach Friedrichshagen“ zu bewegen. Das tat der SPD-Politiker bekanntlich nicht. Dafür kamen viele andere: der Linke Gregor Gysi etwa oder die Grünen Renate Künast und Anton Hofreiter. Auch der CDU-Politiker Mario Czaja, Ex-Sozialsenator mit Wahlkreis in Kaulsdorf-Mahlsdorf, kam. Inzwischen hat dieses Interesse der Politiker längst nachgelassen. Auch bei Grünen und Linken, die sich zunächst sehr engagiert zeigten.

Während sich der Protest in der ersten Zeit konkret gegen die Müggelseeroute und die damit verbundenen Belastungen und Fluglärm richtete, weitete er sich im Lauf der Jahre aus zu einer generellen Kritik am Standort des BER in Schönefeld, direkt bei Berlin.

Tausende kommen jetzt im sechsten Jahr natürlich auch nicht mehr. Der Protest hat eher den Charakter einer Mahnwache. Am heutigen Montag wird es also zum 300. Mal so weit sein. Auch Sebastian Fasbender wird „auf jeden Fall“ zum Alten Fritz auf den Marktplatz kommen, um gegen den BER zu demonstrieren.

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