Berlin : Protest im Herzzentrum

Belegschaft ist gegen die Sparpläne der Verwaltung

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Das Herzzentrum Berlin ist weltberühmt, der ehemalige russische Präsident Boris Jelzin ließ sich hier operieren. Doch das Haus fürchtet nun wirtschaftliche Probleme wegen neuer Abrechnungsmodalitäten für Krankenhausleistungen. Deshalb soll gespart werden – beim Personal. Und das trifft auf Widerstand.

Bei der Arbeitsbelastung der Ärzte und Schwestern sei jetzt schon eine Grenze erreicht, sagt die Betriebsratschefin Susanne FiebergWrobbel. Weiteren Kürzungen lehne man ab. Wie berichtet, will Verwaltungsdirektor Thomas Höhn in den laufenden Verhandlungen zum Tarifvertrag Stellen streichen und Arbeitszeiten verlängern. Auf einer Betriebsversammlung am Donnerstag habe Höhn die Schärfe aus einigen Forderungen zurückgenommen, sagte Fieberg-Wrobbel, aber andere habe er dafür bestätigt. So sollen zum Beispiel Taxi- und Kilometergeld für Rufbereitschaftseinsätze gestrichen werden. Ärzte, OP-Schwestern und -Techniker, die ohne Auto in Randbezirken wohnen, müssten dann bei Notfällen auf eigene Kosten im Taxi zum Herzzentrum fahren. Solche Pläne verdrießen die Angestellten.

Zwar seien die Beschäftigten bereit, etwa auf einen Urlaubstag zu verzichten, wenn es dem Herzzentrum wirtschaftlich schlecht gehe. Andererseits seien viele Ärzte und Pflegekräfte der Meinung, dass nicht bei denen gespart werden solle, die zum „Ruhm“ der Klinik beitragen. 2003 wurden laut Fieberg-Wrobbel etwa 50 Stellen im Pflegebereich gestrichen.

Aus der Klinik hieß es, dass manche Pflegekraft am Ende einer Schicht vor Erschöpfung in Tränen ausbricht, dass es künftig in den Spätschichten für 20 Patienten nur noch zwei Pflegekräfte geben soll, die dann Herzinfarkte, Privatpatienten und die Auslandspatienten nebst Familien versorgen müssen.

Fieberg-Wrobbel erinnert an den Notlagen-Tarifvertrag, den Verdi im Mai angeboten habe. Um den abzuschließen, müsste die Verwaltung die Bücher offen legen, was bisher nicht passiert sei, sagte die Betriebsratschefin, die daraus Zweifel an der dramatischen Lage ableitet. Zum 30. September will die Verwaltung den Tarifvertrag kündigen. Um sich auf die sichere Seite zu bringen, rechnet die Betriebsratschefin damit, dass Ärzte und Pflegekräfte schnell Verdi beitreten. ari

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