Berlin : Protest penetrant

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber wundert sich über politische SippenhaftIdeen

Die Leute vom „Bündnis gegen Sozial- und Bildungsraub“ haben ein sehr emotionales Politikverständnis: Wer Sparbeschlüsse zu verantworten hat, der soll den Protest der Betroffenen vor der eigenen Haustür erleben. Deshalb haben sie ein paar Abgeordnete bestimmt, die sie mit Klein-Demonstrationen gegen Sparpolitik in der Nähe ihrer Wohnung unter moralischen Druck setzen wollen – ein kümmerliches Poltikverständnis.

Denn die Bündnisleute sind bereit, Abgeordnete in moralische Sippenhaft zu nehmen. Angenommen, die Wut in Wohnungsnähe äußerte sich vielstimmig und massiv: Kann man erwarten, dass die Empörung der Entrechteten präzise zwischen Abgeordneten und deren Familie oder Freundin oder Kindern unterscheidet? Eher nicht. Denn wer bereit ist, Politikern in deren Privatsphäre nahe zu treten, hat den Unterschied zwischen einer Person und dem Amt, das sie übernommen hat, nicht begriffen. Wer Leuten auf die Bude rückt, der nimmt Politik in einer körperlichen Weise persönlich. Er will den Protest und ist gefährlich penetrant.

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