Berlin : Protest unterm Baum

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat wiegelt

die Berliner Weihnachtsmänner auf

Wer schon mal einem echten Weihnachtsmann gegenüber stand oder selbst einer war, der wird es wissen: Die Situation ist blöd. Das, was zu sagen ist, ist schnell gesagt (Lieb gewesen? – Jawoll – Hier, pack aus – Danke, lieber Weihnachtsmann), die eine Strophe „O Tannenbaum“ ist auch rasch abgesungen, und dann steht man da. Dafür all die Vorfreude, dafür der Tusma-Heinzelmänner-Weihnachtsmann-Tarif.

Gestern, mitten zwischen den Protesten, war studentische Weihnachtsmännervollversammlung. Alles war wie immer, die Zeitarbeiter in Rot lachten sich übereinander scheckig (Hohoho), versicherten sich ihrer Textunsicherheit (Zweite Strophe von Schneeflöckchen?) – und keiner kam auf die Idee, den Bescherungsakt mit studentischen Belangen anzureichern. Man könnte Geschenke vorenthalten (Weggespart!), den Weihnachtsengel aussperren (Kam nicht durch den Numerus clausus!), Großfamilien in der Besenkammer bescheren (Überfüllung!). All das trüge nicht nur zur Politisierung der weihnachtsduseligen Nichtstudentenschaft bei, es brächte auch einen Gesprächsstoff in den Heiligen Abend, der das „O du Fröhöliche“ aufs Schönste ergänzen und den aktuellen Familienstreit vergessen machen könnte. Also bitte, tragt den Protest in die Familien, hebt die festliche Stimmung!

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