Berlin : Protestaktionen: Lehrergewerkschaft kritisiert verschlechterte Areitsbedingungen

Sabine Beikler

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert kurz vor Beginn des neuen Schuljahres 2000 /2001 die verschlechterten Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer. Während der kommenden Woche plant die GEW Protestaktionen, um auf die "nicht ausreichenden Neueinstellungen, die unbezahlte Mehrarbeit und die Probleme bei den Umsetzungen der Lehrer" hinzuweisen, kündigte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne an.

Zum 1. September sollen laut Thöne 380 Lehrkräfte eingestellt werden. Allein an den berufsbildenden Schulen wären aber 550 Stellen nötig. "Das ist keine bedarfsgerechte Vorbereitung, um den Unterricht in vollem Umfang zu gewährleisten", sagte Thöne. Insgesamt werden in den Jahren 1999 und 2000 zirka 2600 Pädagogen aus dem Schuldienst auscheiden, während nach GEW-Angaben rund 1380 neue Lehrkräfte eingestellt werden. Es müsse auch in diesem Jahr mit Engpässen im Fachunterricht gerechnet werden, da dem Landesschulamt 29 712 finanzierte Lehrerstellen zur Verfügung stehen - im Haushalt allerdings noch von 29 950 Stellen ausgegangen worden sei. Um den vollen Bedarf an Lehrern zu decken, müssten nach Berechnungen der GEW aber 30 465 Stellen geschaffen werden.

Bis Anfang August waren 1030 - von geplanten 1300 - Umsetzungen beschlossen. 722 Pädagogen hätten sich dafür freiwillig entschieden. "Bis jetzt aber wissen von denen rund 47 Prozent noch nicht, wo sie in der nächsten Woche arbeiten werden", sagte Thöne. Dies konnte Thomas John, Pressesprecher der Schulsenatsverwaltung, nicht bestätigen. "Bis auf wenige Ausnahmen ist jedem Lehrer bekannt, wo er nächste Woche unterrichten soll." Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Anzahl der notwendigen Umsetzungen immer geringer geworden. Vom 1. Oktober 1997 bis 30. September 1998 habe es 2166 Umsetzungen gegeben, im darauf folgenden Zeitraum noch 1837, und vom 1. Oktober 1999 bis 28. Juli 2000 habe die Verwaltung 1600 Umsetzungen registriert.

Die GEW kritisierte das Anfang dieser Woche vom Landesschulamt verschickte Rundschreiben "Offensive zur Verringerung von Unterrichtsausfall" an die Schulen. Erklärtes Ziel ist laut diesem Schreiben, den Ausfall von Unterricht auf unter ein Prozent zu reduzieren. Den Schulen werden diverse Möglichkeiten gegeben, um dem Unterrichtsausfall entgegenzuwirken. Unter anderem werden die Schulen aufgefordert, "für die Springstundenregelung und die Vertretungsbereitschaft am Beginn des Schultages (...) eine Vertretungsbereitschaft im Umfang von circa 10 Prozent des Unterrichtsvolumens in den Stundenplan einzuplanen". "Das bedeutet für die Lehrer, dass sie weitere unbezahlte Mehrarbeit in Kauf nehmen müssen", sagte Thöne. Bei einer Wochenarbeitsstundenzahl von beispielsweise 24 Stunden wären dies schon "in Realität" 26,5 Stunden. Schulsenatssprecher John entgegnete, dass eine Vertretungsbereitschaft von zehn Prozent "durchaus gängige Praxis" sei. Das wisse auch die GEW.

Die Gewerkschaft erwägt weitere Schritte gegen dieses Rundschreiben, das laut Thöne als Verwaltungsregelung eine "zwingende Beteiligung" der GEW vorschreibe. Ob die Mitbestimmungspflicht verletzt wurde, werde mit dem Hauptpersonalrat zurzeit erörtert.

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