Proteste gegen hohe Mieten : Mieter heizen den Parteien ein

Tausende Demonstranten machen die Politik für steigende Wohnkosten verantwortlich. Deren Vertreter fühlen sich zu Unrecht kritisiert.

von
Schöne Aussichten gesucht. Immer mehr Berliner leiden unter steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten. Einige Tausend demonstrierten deswegen am vergangenen Wochenende.Alle Bilder anzeigen
Foto: Günter Peters
03.09.2011 18:34Schöne Aussichten gesucht. Immer mehr Berliner leiden unter steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten. Einige Tausend...

Politiker wie Klaus Wowereit, Renate Künast und Harald Wolf hatten die Veranstalter explizit ausgeladen – und doch waren am Sonnabend die Spitzenkandidaten bei der Demonstration gegen Mietsteigerungen omnipräsent. Wenn auch nur als Karikaturen mit verzerrten Grimassen und Adressaten vieler kritischer Sprüche. Um die 5000 Menschen mögen es gewesen sein, die am Nachmittag hinter Transparenten wie „Wohnen ist ein Grundrecht, keine Ware“ vom Hermannplatz durch Neukölln bis an den Kreuzberger Oranienplatz zogen – für eine Stadt mit Millionen von Mietern nicht gerade eine Großdemonstration, aber doch eine, die einen in der Stadt spürbar wachsenden Unmut aufgreift.

Einige routinierte Politaktivisten der linken Szene waren dabei, vereinzelt auch Politiker von Linken oder Grünen in privater Funktion. Vor allem aber sah man bei dem von Stadtteilinitiativen und linken Gruppen organisierten Protest viele normale Familien und Solo-Protestierer, die mit selbstgemachten Schildern ihrer Angst vor steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten Ausdruck gaben.

Mieten runter – damit außer Dauerkarte noch was bleibt“, hatte ein Fußballfan im Hertha-Shirt auf sein Pappschild geschrieben. „Mieter sind Menschen – kein Spekulationsobjekt“ ein anderer. Und eine Frau verkündete: „Ich spekuliere nur auf Süßigkeiten.“

SPD und Linke wurden in Reden und auf Transparenten dafür gegeißelt, dass sie sich in den vergangenen zehn Jahren nicht genug für mehr sozialen Wohnungsbau und gegen Privatisierungen eingesetzt hätten, die Grünen bekamen als Mitverantwortliche der Hartz-IV-Reform im Bund ihr Fett weg, und die CDU wurde als Verantwortliche für den Bankenskandal gegeißelt, dem Anlass der Sparzwänge. „Wir fallen nicht auf die Parteien rein“, fasste ein handgemaltes Transparent die Stimmung zusammen, „Wahlboykott“ verkündete ein anderes.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Parteien auf die Vorwürfe reagieren.

Seite 1 von 2
  • Mieter heizen den Parteien ein
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen

94 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben