Protesttag : Charité-Mediziner gehen morgen auf die Straße

Hunderte Ärzte wollen an diesem Freitag bei einem nationalen Protesttag für eine bessere Bezahlung in Berlin auf die Straße gehen. Den mit Abstand größten Anteil der Demonstranten stellt die Berliner Charité.

Berlin (04.08.2005, 13:05 Uhr) - Der Marburger Bund rechne mit einer Beteiligung von 1000 bis 2000 Kollegen, sagte Sprecher Athanasios Drougias am Donnerstag in Berlin. Es werden Mediziner aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen. Seit Montag haben in deutschen Städten bereits tausende Krankenhausärzte für bessere Arbeitsbedingungen protestiert.

5 Minuten vor 12.00 Uhr wollen die Mediziner am Freitag mit ihrem Protestmarsch nahe der Charité in Richtung Bahnhof Friedrichstraße beginnen. Danach ist eine Schifffahrt durch das Regierungsviertel bis zum Bundeskanzleramt geplant. Der Protest richtet sich vor allem gegen schlechte Bezahlung und überlange Arbeitszeiten. Allein an der Charité fallen nach Angaben der dortigen Ärzteinitiative jeden Monat 85.000 unbezahlte Überstunden an.

Die Charité-Mediziner verstehen die Protestaktion auch als Warnstreik, weil die Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund abgebrochen wurden. An der großen Berliner Uniklinik gibt es rund 2200 Ärztestellen, mehr als 1000 Kollegen wollen am Freitag auf die Straße gehen. Eine Notfallversorgung für Patienten bleibe aber wie an Sonn- und Feiertagen bestehen, versicherte am Donnerstag der ärztliche Direktor, Ulrich Frei.

Bei ihren Protesten erhalten die Ärzte Rückendeckung von der Berliner Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV). «Es ist auch im Interesse der Patienten untragbar, einerseits Hochleistungsmedizin zu fordern, andererseits die Einkommens- und Arbeitssituation der Ärzte zu verschlechtern», sagte die KV-Vorsitzende Angelika Prehn.

Auch der Charité-Vorstand äußerte Verständnis für den Warnstreik im eigenen Haus. «Gerade die jungen Kollegen sind mit der Situation zu Recht unzufrieden», sagte der Vorstandsvorsitzende Detlev Ganten am Donnerstag. «Deutschland ist bei den Ärztegehältern das Schlusslicht in Europa und Berlin ist praktisch Pleite», ergänzte er. Bis zum Jahr 2010 muss allein die Charité 246 Millionen Euro einsparen. Auch rund 300 Ärzte-Stellen sollen wegfallen. (tso)

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