Prothesenskandal : Anzeige wegen verwechselter Knieimplantate

Fehlerhafte Prothesen wurden bundesweit an 13 Kliniken geliefert. Unterdessen wächst der juristische Druck auf das St.-Hedwig-Krankenhaus in Berlin.

Ingo Bach[Moritz Honert],Hannes Heine[Moritz Honert],Ingo Wolff

Im Fall der in einem Berliner Krankenhaus implantierten fehlerhaften Hüftprothesen gibt es nun erstmals konkrete Angaben über betroffene Kliniken. Der österreichische Hersteller „Falcon Medical“ hat nach eigenen Angaben bundesweit 13 Klinken mit diesen fehlerhaften künstlichen Gelenken beliefert. Darunter befinden sich nicht nur das St.-Hedwig-Krankenhaus in Mitte und das Kreiskrankenhaus Belzig, sondern auch die Oberlinklinik in Potsdam. Insgesamt sind nach Firmenangaben in Deutschland und Österreich 47 von rund 2400 Implantaten gebrochen. An die drei Kliniken in der Region seien jeweils „mehrere Dutzend“ Gelenke geliefert worden. Bei der zuständigen Kontrollbehörde, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm), sind bundesweit 19 Meldungen über Zwischenfälle mit diesem Modell eingegangen. Die Hersteller sind verpflichtet, derartige Probleme zu melden.

Schon 2004 habe man von Chirurgen anderer Häuser erfahren, dass die österreichischen Implantate brüchig werden könnten, sagte Wiebke Zielinski von der Oberlinklinik. „Wir haben schon vor der Rückrufaktion des Herstellers keine fraglichen Prothesen verwendet“, teilte die Sprecherin mit. Nachdem „Falcon Medical“ die Implantate Ende 2004 vom Markt genommen hatte, sei auch auf einer Fachtagung im Sommer 2005 öffentlich über die fehlerhaften Gelenke debattiert worden. Die Patienten habe man jedoch nicht informiert, weil bisher keine Probleme aufgetreten seien und man niemanden habe verunsichern wollen.

Im St.-Hedwig-Krankenhaus gab es dagegen sechs Patienten, die nach der Implantation über Probleme klagten – der erste Januar 2005. Man habe dennoch die anderen Patienten nicht informiert, da unklar gewesen sei, ob alle Hüftgelenke fehlerhaft seien, hieß es aus der Klinik.

Parallel dazu wächst der juristische Druck auf das St.-Hedwig-Krankenhaus im Fall der 47 Patienten, denen Kniegelenke falsch implantiert wurden. Der Berliner Rechtsanwalt Andreas Schulz, der nach eigenen Angaben mehrere der Betroffenen vertritt, stellte gestern Strafanzeige gegen die Klinik und gegen den Hersteller der Prothesen, Smith & Nephew. Die dadurch nötigen Repartureingriffe könnten den Tatbestand einer Körperverletzung darstellen. „Es liegt im öffentlichen Interesse, zu klären, wer der Beteiligten welche Verantwortung trägt“, sagt Schulz. Eine weitere Anwältin, die nach eigenen Angaben zwei Mandanten vertritt, kündigte ebenfalls rechtliche Schritte gegen die Klinik an. Das Krankenhaus habe sie von der Absicht jedoch noch nicht informiert, da sie erst den Reparatureingriff abwarten wolle. Über die Höhe eventueller Schmerzensgeldforderungen machte sie keine Angaben. Juristen hatten zuletzt bis zu 30 000 Euro gefordert. Für die Anwältin liegt der Fehler bei den behandelnen Ärzten: „Ein Chirurg ist dafür verantwortlich, dass er die richtige Prothese einbaut und verpflichtet, dies im Operationssaal zu überprüfen.


Patientenhotline der Oberlinklinik Potsdam: 0331 / 7634315 oder 0331 / 7634318

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