Provisorium wird umgebaut : Dauerquartier für Sinti und Roma

20 Jahre schob das Land das Projekt auf. Nun haben die Umbauarbeiten begonnen. Doch der Bau sanitärer Anlagen und Räume wird teurer als geplant. Der Protest gegen die Dauercamper hat sich inzwischen gelegt.

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Das Provisorium hielt fast zwei Jahrzehnte. Immer wieder wurden reisende Sinti und Roma, die sich seit 1995 in den Sommermonaten zu Hunderten auf dem Wohnwagenstellplatz am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden treffen, vertröstet. Nun haben die Umbauarbeiten zu einem Dauerquartier mit sanitären Anlagen begonnen. Doch das lange Zögern hat seinen Preis. Das Bauvorhaben kostet nun eine halbe Million Euro mehr, als in den ersten Entwürfen geplant.

Das gut 32 000 Quadratmeter große, neue Areal in Nikolassee war ursprünglich als Parkraum für Lastwagen konzipiert. Mitte der Neunziger stellte der Senat es für Sinti und Roma zur Verfügung. Bis zu 36 Familien gleichzeitig haben ihre Wohnwagen dort abgestellt. Sanitäre Einrichtungen waren all die Jahre nur in Containern untergebracht, Versorgungsleitungen oberirdisch verlegt. Jetzt soll das „heruntergekommene Areal“ wiederhergerichtet werden, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein. Dazu gehöre auch ein 475 Quadratmeter großes Servicegebäude, das die alten Container ersetzen soll. Darin wird Platz sein für Toiletten, Duschen, Aufenthalts- und Technikräume. Schon Ende August würden die Bauarbeiten abgeschlossen.

Das Gebiet soll auch wiederaufgeforstet werden. Geplantes Projektende: November 2012. Doch daran mag kaum jemand glauben. Schon im Januar 2001 war im Amtsblatt der Beschluss des damaligen Senators für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD), erschienen, es solle „umgehend ein ständiger Standort für Wohnwagen durchreisender Sinti und Roma in Berlin geschaffen werden“. 2,5 Millionen Euro sollte die Maßnahme kosten, doch das Geld fehlte. Erst 2009 findet sich der Umbau des Stellplatzes wieder bei den Investitionen des Landes Berlin, diesmal finanziert mit drei Millionen Euro bis zum Jahr 2012. Dabei hatte sich die Senatsverwaltung für Bildung bereits früh um die schulpflichtigen Kinder der Sinti und Roma gesorgt. Nun gebe es ein Konzept für ihre Beschulung, sagt Thorsten Metter, Sprecher der Bildungsverwaltung. „Die Kinder werden im Sommer in den umliegenden Schulen unterrichtet.“ Noch stehe aber gar nicht fest, wie viele Sinti und Roma kommen. Probleme mit der Sprache gebe es nicht, am Stellplatz Dreilinden hielten erfahrungsgemäß keine „Neuzugänge ohne Sprachkenntnisse“ aus Rumänien, wie in anderen Teilen der Stadt , sagt Metter.

Auch der Protest gegen die Dauercamper hat sich im Bezirk mittlerweile gelegt. Nur die rechte Randpartei Pro Berlin hetzt weiter auf Flyern gegen „die Zigeuner“. Zehlendorfs Stadtentwicklungsstadtrat Norbert Schmidt hat keine Beschwerden mehr vorliegen. Jahre zuvor gab es Anwohnerproteste, und auch der Bezirk stellte sich quer, weil das Areal als Naturschutzgebiet ausgewiesen war.

Markus Rosenberg vom Verein zum Erhalt der Kultur der Sinti und Roma, der von der Bildungsverwaltung mit der Betreuung des Platzes beauftragt wurde, hofft, dass die Bauarbeiten wirklich zum Ende des Jahres abgeschlossen werden. „Es wäre ein Stück Normalität“, sagt er.

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