Berlin : Prozess 14 Jahre nach dem Mord Angeklagter soll Rentner aus Habgier getötet haben

Eine Zigarettenkippe und Fingerabdrücke auf einer Likörflasche. Diese Spuren hatten die Ermittler vor mehr als 14 Jahren in der Wohnung des Opfers gesichert. Sie brachten sie im Mordfall Wladimir C. zwar zunächst nicht weiter. Jahre später aber führte ein DNS-Abgleich zu einem Tischler aus Polen. Man hatte ihn in der Datei, nachdem er als mutmaßlicher Schwarzarbeiter erwischt worden war. Seit gestern nun muss sich der 39-jährige Grzegorz K. vor dem Landgericht verantworten.

Der 76-jährige Wladimir C. lebte allein in einer Wohnung in Mitte. Er galt als eher vermögend, war stets gut gekleidet und soll öfter größere Geldscheine bei sich getragen haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Raubmord aus, den K. mit einem unbekannt gebliebenen Komplizen begangen haben soll. Täter und Opfer kannten sich vermutlich. Offenbar habe der ältere Herr die jungen Männer zu sich eingeladen, sagte ein Anwalt der Nebenklage. Spuren eines gewaltsamen Eindringens in die Wohnung jedenfalls seien nicht gefunden worden. Der Rentner saß am Tisch, als er hinterrücks erwürgt wurde. Die Täter sollen mit Bargeld in unbekannter Höhe und einer goldenen Armbanduhr des Opfers geflohen sein.

Die Likörflasche hatte Wladimir C. den Ermittlungen zufolge am Tattag gekauft. Die Fingerabdrücke darauf gehören zu jenen Indizien, die im Jahr 2001 zu einem Haftbefehl gegen Grzegorz K. führte. Damals hielt sich der einige Monate zuvor als mutmaßlicher Schwarzarbeiter erwischte Tischler bereits wieder in seiner Heimat auf. Es vergingen fast sechs Jahre, bis er im vergangenen Juli in Polen festgenommen und wenige Wochen später nach Deutschland ausgeliefert wurde. Am ersten Verhandlungstag verweigerte er die Aussage. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. K. G.

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