Prozess : 18-Jährige gesteht Tötung der Großtante

Sie soll 13 Mal mit dem Hammer zugeschlagen haben: Eine junge Frau ist des Mordes angeklagt, Sabrina S. soll die Großtante wegen Familienstreitigkeiten umgebracht haben.

von
Justitia
Die Suche nach Gerechtigkeit. Vor dem Kriminalgericht sagte eine mutmaßliche Mörderin, sie habe bei der Tat einen Blackout gehabt.Foto: Jens Kalaene/dpa

Das Abitur hatte sie vor Augen, war engagiert und fleißig, spielte Klavier und Fußball. „Ein ganz normales Mädchen“, sagte ihre Anwältin. Sabrina S. aber ist in einem Familienstreit wohl zu einer Täterin geworden. Es ist ein Verbrechen, das den Atem stocken lässt: Mit einem Schlosserhammer schlug die 18-Jährige auf ihre 79-jährige Großtante ein. 13 Mal. Die Anklage geht von einem heimtückischen Mord aus. Sabrina S. will nicht nach Plan getötet haben. „Ich hatte so etwas wie einen Blackout“, sagte sie vor Gericht.

Eine Angeklagte, die noch mädchenhaft wirkt. Ungeschminkt, in Pulli und Jeans, saß sie vor den Jugendrichtern, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Als die Anklage verlesen wurde, senkte sie den Kopf und kaute auf der Unterlippe. Sie soll mit dem Hammer, ein Kilo schwer, zu ihrer Großtante nach Steglitz gefahren sein – fest entschlossen, die Frau zu töten. „Weil die Geschädigte fortwährend die Mutter der Angeschuldigten gegen diese aufwiegelte“, heißt es in der Anklage zum mutmaßlichen Mordmotiv.

„Sie meckerte, war abweisend und böse.“

Es waren Ferien, als Sabrina S. am 26. Juli zu Liselotte F. nach Steglitz fuhr. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie im Wohnzimmer „unvermittelt“ mit dem Hammer wuchtig auf den Hinterkopf der Verwandten drosch. Die Frau sei vom Stuhl gerutscht, habe noch mit den Armen ihren Kopf schützen wollen. Die Schülerin aber habe weiter zugeschlagen. Dann rief sie die Feuerwehr und sagte, sie könne sich an nichts erinnern.

Der Fluchtversuch vor der Wahrheit endete in der Untersuchungshaft. „Ich habe mich mit meiner Mutter früher gut verstanden“, begann die Anklagte. Doch als sie 18 Jahre alt war, sollte sie aus der Familienwohnung in Lankwitz ausziehen. „Ich war verzweifelt, ich wollte mich auf das Abi konzentrieren.“ Außerdem habe ihr die Mutter einen Laptop und den Fernseher weggenommen. Sie habe die Tante, die einen großen Einfluss auf ihre Mutter hatte, um Hilfe bitten wollen. Doch die Verwandte habe sich wieder auf die Seite der Mutter geschlagen. „Sie meckerte, war abweisend und böse.“ Mit Schimpftiraden wie: „Geschieht dir ganz recht.“

„Ich hasse mein Leben“

Eine spontane Tat war es nach Version der Angeklagten. „Mein Kopf kochte, es war ein unerträglicher Schmerz“, schilderte sie. Sie habe den Hammer gegriffen, der auf einem Schrank gelegen habe. Der erste Schlag sei aber nicht hinterrücks, sondern von vorn erfolgt. „Ich war wie betäubt, ich konnte wohl nicht aufhören.“

Ein Mädchen, das sich im Stich gelassen fühlte und ohne Absicht im absoluten Ausnahmezustand zuschlug? „Ich hasse mein Leben“, soll sie bei Whatsapp geschrieben haben. Die Staatsanwaltschaft sieht einen Mordplan. Die Schülerin soll Monate vor der Tat Freundinnen gesagt haben, dass sie den Tod der Großtante wünsche. Im Streit um den Auszug war eine Lösung in Sicht. Mutter und Tochter hatten sich an das Jugendamt gewandt. Die Behörde half. Der Umzugstermin stand für den 1. August. Der Prozess geht Montag weiter.

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