Prozess am Landgericht : 20-jähriger ließ sich zum Raub anstiften

Der junge Mann war an Überfall auf ein Juweliergeschäft beteiligt. Die Drahtzieher hatten ihn in einem Café angeheuert.

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Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

Blitzartig rein, Vitrine einschlagen, Beute einsacken. Zack und weg, dachte sich Moses R. wohl und ließ sich auf einen kriminellen Plan eines flüchtigen Bekannten ein. Der 20-Jährige machte mit bei einem Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft. Er malte sich einen Beuteanteil von um die 10 000 Euro aus. Doch er hat sich geirrt. Nach viermonatiger U-Haft steht er vor Gericht. Uhren im Wert von 130 000 Euro soll er mit Komplizen geraubt haben.

  Es war kurz vor Ladenschluss, als am 4. April zwei Männer das Geschäft in den Potsdamer Platz Arkaden betraten. Jeder hatte einen großen Hammer in der Hand, der Angeklagte zudem maskiert mit Perücke, falschem Bart, Brille. Ein dritter Komplize, der mutmaßliche Drahtzieher, soll in der Nähe im Fluchtauto gewartet haben. Laut Anklage bewaffnet mit einer Pistole.

Die Tat lief nach Plan

 „Der Mann im Auto hatte mich drei oder vier Tage zuvor bei einem ganz zufälligen Treffen angeheuert“, erklärt der Angeklagte im strahlend weißen Hemd zu Prozessbeginn. „Das Angebot hat mich erwischt, als es mir und meiner Familie finanziell nicht gut ging.“ Der Tat-Planer, den er aus einem Café kenne, habe ein leichtes Ding geschildert: „Alles ist abgesprochen, Kameras im Laden werden aus sein.“

Der Angeklagte und einer der bislang unbekannten Mittäter rannten gezielt auf Vitrinen zu. Es lief ähnlich ab wie bei Taten, die in den letzten Jahren für Aufsehen sorgten und von denen R. sowie die Mittäter vielleicht auch gehört hatten. Auch beim spektakulären Raub im KaDeWe Ende 2014 wurden Vitrinen eingeschlagen. Fünf Vermummte hatten unter anderem eine Axt dabei. Nach 79 Sekunden war der Spuk vorbei: Schmuck und Uhren im Wert von etwa 817 000 Euro waren weg, der Großteil fehlt bis heute. Doch mehrere Täter sind bereits verurteilt.

 Eigentlich macht er sowas nicht

Moses R. hat bislang keinen Beruf erlernt, half aber im Geschäft der Eltern, sagt er. Ein sympathisch wirkender junger Mann, der gern ins Café geht. Mit kriminellen Sachen aber habe er bis dahin nichts zu tun gehabt, betont er vor dem Landgericht. „Ich bin nicht in solchen Verhältnissen aufgewachsen, dass man so etwas macht.“

  Die Gier nach Geld ließ ihn alle Zweifel beiseite schieben. Gezielt sei er zur Vitrine mit Uhren der Marke Breitling gestürmt. „Der Fahrer des Fluchtautos hatte sie ausgesucht, mir eine Tasche und den Hammer gegeben“, so der Angeklagte. Der zweite Räuber im Geschäft soll einen Mitarbeiter zur Seite geschubst und bedroht haben.

 

Während die Räuber einsackten, drückte der Filialleiter den Alarmknopf. R. wurde noch im Shopping-Center von Security-Leuten überwältigt – mit 17 Luxus-Uhren. Den Namen des Drahtziehers verriet R. zunächst nicht. Aus Angst, so der Verteidiger. Jetzt will er auch darüber reden. Er hat begriffen: So ein Raub ist eine schwere Straftat. Nach Erwachsenenstrafrecht drohen mindestens fünf Jahre Haft. Ob der 20-Jährige nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt wird, ist noch offen. Fortsetzung: Dienstag.

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