Prozess : Drei Türken nach Pöbeleien in BVG-Bus angeklagt

Der Vorfall im Oberdeck eines BVG-Busses machte fassungslos. Einer der Angeklagten wurde jetzt im Gerichtssaal erneut aggressiv und bedrohte eine Zeugin.

Kerstin Gehrke

Die Pöbeleien im Oberdeck eines BVG-Busses machten fassungslos. „Ich ficke alle deutschen Frauen“, brüllte ein Jugendlicher. Die Deutschen sollten vergast werden, grölte er noch. Da alarmierte eine Studentin kurzerhand die Polizei. Vor Gericht sagte der 17-jährige Türke gestern, er habe lediglich „Scheiß Deutsche“ gerufen. Während er dann eher wortkarg blieb, gab ein Mitangeklagter eine Vorstellung, die ihresgleichen sucht.

Neben Fatih, dem Pöbler aus der Linie M 29, saßen wegen Beihilfe zur Beleidigung zwei seiner Kumpels. Sie sind 16 und 19 Jahre alt, stammen ebenfalls aus türkischen Familien. Die beiden lachten laut Anklage und gaben moralische Unterstützung, als ihr Freund am frühen Nachmittag des 6. September letzten Jahres andere Fahrgäste verbal angriff. „Jetzt gehen sie“, höhnten die Jugendlichen aus Neukölln und Kreuzberg, als sich das Oberdeck leerte.

Aggressiv, machohaft, respektlos – so sind sie damals nach Schilderung von drei Zeuginnen aufgetreten. So trat der älteste Angeklagte auch im Gerichtssaal auf. „Was willst du, habe ich etwas gemacht?“, rief Kaan U. provozierend in Richtung einer 27-jährigen Frau. „Ich mach' dich fertig“ und „Dreckskind“ beleidigte er kurz darauf eine 17-Jährige. Er hatte sie zwei Wochen nach der Pöbelei aus dem Nichts heraus geschlagen, getreten, gegen ein Auto geschubst. Auch um diese Körperverletzung ging es im Prozess.

Der Jüngste zeigte Einsicht. Er ging im Gerichtssaal auch räumlich auf Abstand zu den Mitangeklagten und sagte, dass ihm die Sache leidtue. Ganz anders der Älteste. Als die 17-Jährige schilderte, wie er sie auf der Straße attackiert hatte, sprang er plötzlich auf. Er beleidigte sie sexistisch, bedrohte sie. Ein Wachtmeister war sofort an seiner Seite. Jugendrichterin Kirsten Heisig fand deutliche Worte für sein Verhalten und beruhigte dann die Zeugin: „Vor Herrn U. müssen Sie keine Angst haben.“

Gegen Kaan U. wurde vor Beginn der Verhandlung ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags verkündet – in einem anderen Verfahren. Da soll er eine Frau mit einem Messer im Gesicht verletzt haben. Jede Beleidigung im gestrigen Prozess wurde nun protokolliert. „Das gibt ein neues Strafverfahren“, stellte die Richterin kühl fest.

Kaan U. hat die Schule nach der 9. Klasse verlassen. Das war im Juli 2005. Seitdem befinde er sich in „Maßnahmen“, sagte er. Ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe sagte, U. sei ein verwöhntes Nesthäkchen. Als U. klar wurde, dass ihm im jetzigen Prozess eine Inhaftierung drohte, meinte er: „Gefängnis würde mir nicht helfen. Ich besitze nicht die psychische Kraft, das abzusitzen“, sagte der 19-Jährige.

Am Ende des Prozesses hatte U. wohl begriffen, dass er mit seinem Auftritt alles noch schlimmer gemacht hat. „Ich möchte mich entschuldigen“, meinte er.

Da war das Urteil bereits gesprochen. Gegen ihn ergingen vier Wochen Dauerarrest. Zudem soll Kaan U. an einem Anti-Gewalt-Seminar teilnehmen. Zu zwei Wochen Arrest wurde der 17-Jährige verurteilt. Der 16-Jährige soll 30 Stunden Freizeitarbeit leisten und ebenfalls zu einem Anti-Gewalt-Seminar.

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