Prozess : Ehepaar täuschte Unfälle vor, um Versicherung zu betrügen

Mehr als 30.000 Euro ergaunerte ein Ehepaar mit fingierten Unfällen. Am Dienstag wird das Urteil erwartet.

Der Mercedes des Ehepaares schien Unfälle anzuziehen. An die zehn Mal war das Fahrzeug innerhalb eines Jahres in Karambolagen verwickelt – angeblich unverschuldet. Tatsächlich aber waren fast alle Kollisionen verabredet. Der 39-jährige Heiko S. und seine drei Jahre jüngere Frau hatten mit Komplizen Unfälle fingiert, um sich über abgerechnete Blechschäden möglichst viel Geld von Haftpflichtversicherungen zu erschleichen. Vor dem Landgericht räumten die Eheleute die Vorwürfe am Donnerstag pauschal ein.

Es geht in dem Prozess wegen Betruges um Taten in Berlin, Hamburg und Potsdam zwischen Dezember 1998 und März 2001. In der Anklage werden mehrere mutmaßliche Täter und 23 Fälle aufgelistet. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden von insgesamt rund 170 000 Euro aus. Ein Teil davon geht auf das Konto der Eheleute. Mehr als 30 000 Euro hatten sie laut Anklage nach fingierten Crashs kassiert.

Es waren keine provozierten Unfälle beispielsweise durch plötzliches Bremsen vor Ampeln, sondern abgesprochene Kollisionen. In der Regel wurden dafür Fahrzeuge angemietet. So steuerte ein Komplize im Februar 2000 ein Mietauto mutwillig gegen vier Wagen. Auch der Mercedes der Eheleute war darunter. Die Schäden wurden ermittelt, die Versicherung zahlte. Die Angeklagten bekamen knapp 9000 Euro. Vielleicht wäre die Betrugsserie nie ans Licht gekommen. Doch ein Mittäter packte im 2002 aus. Die Ermittlungen waren – wie oft in ähnlichen Fällen – langwierig. Der Tippgeber saß nun mit auf der Anklagebank. „Die Vorwürfe treffen zu“, erklärte auch der 39-Jährige über seinen Anwalt. Kurz darauf war der Prozess gegen den Hamburger, der derzeit eine sechsjährige Haftstrafe verbüßt, vorbei: Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Das Urteil gegen die Eheleute wird Dienstag erwartet. Dem Mann droht mehrjährige Haft. K. G.

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